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Zweiter Vertreter der Rubrik „Bitte wer?“ ist nicht ganz zufällig ein Sohn meiner Heimatstadt Chemnitz. Gerade in Zeiten wie unseren fällt sein Name immer wieder und mahnt die anhaltende Zügellosigkeit der Menschen hinsichtlich der natürlichen Ressourcen an. Der Ruhm des kurfürstlich-sächsischen Kämmerers begründet sich im Wesentlichen auf die Prägung des Wortes „Nachhaltigkeit“, bezogen auf die Nutzung des Holzes zur damaligen Zeit. Aber der Reihe nach.

Hans Carl von Carlowitz wurde als zweitältester Sohn in die vierte Generation der auf Burg Rabenstein (im gleichnamigen Stadtteil von Chemnitz und obendrein die kleinste Burg Sachsens) lebenden Carlowitzens geboren. Sein Vater war der kursächsische Oberforstmeister Georg Carl von Carlowitz. Ab 1659 besuchte Hans das Evangelisch-Lutherische Stadtgymnasium zu Halle, welches stark vom damaligen Geist des Humanismus geprägt war. Die Familie Von Carlowitz war Teil des sächsischen Uradels und bereits seit mehreren Generationen mit der Betreuung von Wäldern im sächsischen Erzgebirge tätig.

Bedeutung erlangte Carlowitz als Verfasser des ersten eigenständigen, 1713 erschienenen Werkes über die Forstwirtschaft, Sylvicultura oeconomica. Er fasste darin das damals bekannte Forstwissen zusammen, erweiterte es durch eigene Erfahrungen und formulierte erstmals das Prinzip der Nachhaltigkeit:

„Wird derhalben die größte Kunst/Wissenschaft/Fleiß und Einrichtung hiesiger Lande darinnen beruhen / wie eine sothane Conservation und Anbau des Holtzes anzustellen / daß es eine continuierliche beständige und nachhaltende Nutzung gebe / weiln es eine unentberliche Sache ist / ohne welche das Land in seinem Esse (im Sinne von Wesen, Dasein, d. Verf.) nicht bleiben mag.“ (S. 105–106 in der „Sylvicultura Oeconomica“).

Beim Lesen dieser Zeilen sollte aber stets bedacht werden, dass Carlowitz mitnichten an die Natur oder gar deren Schutz dachte. Vielmehr standen ökonomische Belange im Vordergrund. Wird nämlich mehr Holz geschlagen als nachwächst, ist die Rohstoffversorgung gefährdet. Auch wenn seine Beweggründe wirtschaftlicher Natur entsprangen, wirkten sie sich doch zur damaligen Zeit positiv auf den Waldbestand und den Umgang der Menschen mit der Ressource Holz aus. Dennoch sollte es noch Jahrhunderte dauern, bis die Nachhaltigkeit im naturschutzfachlichen Sinne in die Köpfe der Menschen gelangte.

Die in Chemnitz ansässige Hans Carl von Carlowitz-Gesellschaft bemüht sich seit vielen Jahren darum, das Erbe des ehemaligen Oberförsters zu wahren und in Erinnerung zu behalten. Dazu lobt sie u.a. Stipendien für engaierte Studenten aus und verleiht einmal jährlich den „Hans Carl von Carlowitz-Nachhaltigkeitspreis“.

 

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