Gleich vorweg der Hinweis: das in diesem Beitrag vorgestellte Buch hat mir der Gemeiner-Verlag zur Verfügung gestellt und mir nach der Rezension überlassen. Das Äußere des Buches ist schnell beschrieben. Paperback, dunkle Covergestaltung, welche einen Maschendrahtzaun zeigt, dessen Bedeutung im Buch eine Rolle spielt aber erst beim Nachdenken im Anschluss des Lesens seine volle Bedeutung erlangt. Dazu im Fazit mehr.

Bekanntlich zählen die Inneren Werte und diese sind durchaus vorhanden. Wenn auch auf den zweiten (oder dritten) Blick. Was meine ich damit? Nun, ehrlicherweise muss ich sagen, dass ich das Buch mehrmals beinahe aus der Hand gelegt hätte. Die Geschichte um zwei junge Naturschützer beginnt ziemlich klischeehaft. Heile Weilt, Gut gegen Böse und als ein einer Stelle auch noch Ingwertee eine Rolle spielte, war es beinahe mit dem Lesen vorbei. Die Charaktere sind anfänglich ziemlich eintönig und bedienen stereotypische Rollen. Da gibt es den Nerd, den schüchternen Dicken, die naive Freundin und den nahezu perfekten Freund, dieser kann Tanzen, wandert gerne, zeltet in der freien Natur und lebt bei seiner Großmutter in einem alten Bauernhaus, wo er über die Fragen des Lebens sinniert. Beide, Freund und Freundin, sind aber auch ambitionierte Aktivisten, die auch mal gewagte Aktionen durchführen. Alles in allem auch sehr simpel geschrieben und obendrein ist die Story ziemlich vorhersehbar. Sobald der im Klappentext erwähnte Max Bonnermann die Bühne betritt ist klar, wo die Reise hingeht.

Ich konnte fast auf den Punkt den groben Verlauf der Geschichte vorhersehen. Was mich aber bei der Stange gehalten hat, war die Art und Weise wie die Geschichte ab dem 11. Kapitel (die Kapitel sind recht kurz) Fahrt aufnimmt und sich entfaltet. Es ist fast so, als hätte der Autor irgendwann „Jetzt aber los“ gesagt und angefangen die Story voranzutreiben.

Ab dem 11. Kapitel werden die Charaktere kontrastreicher und das klassische Gut gegen Böse nimmt Gestalt an. In jedem Kapitel wird der Plot etwas mehr enthüllt. Dies geschieht subtil und in kleinen Schritten. Als es nach 279 Seiten und 31. Kapiteln zum Ende kam, war ich ziemlich verdutzt. Die grobe Handlung ist vorhersehbar, die Nuancen sind es nicht. Besonders der Twist am Ende hat mich ungläubig gucken lassen. Ohne zu spoilern kann ich an dieser Stelle nicht konkreter werden.

Nach dem Lesen ist aber noch lange nicht Schluss. Es dauerte noch ein paar Stunden, bis ich das Buch auch geistig „abgehakt“ habe. Thomas Ernst beschreibt eine Problematik der nicht allzu fernen Zukunft, die siech um die Wasserverfügbarkeit dreht und uns alle noch heimsuchen wird. Er beschreibt aber auch, wie ein guter, ideeller Gedanke durch den menschlichen Geist korrumpiert und für selbstsüchtige Zwecke missbraucht wird. Ich bin seit vielen Jahren im Naturschutz aktiv und habe seitdem mit allerhand Akteuren aus Politik und Wirtschaft zu tun gehabt. Mir ist diese Erfahrung, dass gute Gedanken dem Selbstzweck geopfert werden, nicht fremd.

Diese Wandlung wird im Buch eindrucksvoll und sehr dicht beschrieben. Besonders in den letzten drei Kapiteln trumpft der Autor auf. Die Handlung gewinnt nochmals an Geschwindigkeit und wird nahezu vollständig von Ereignissen angetrieben, die sich über den Globus verteil abspielen, angetrieben. Dem Autor gelingt es praktisch nebenbei mit eindrucksvollen Bildern die Verwundbarkeit unserer globalisierten Welt zu beschreiben. Natur und Menschen sind von einer intakten Erde abhängig. Die Globalisierung in ihrer jetzigen Form steht dem entgegen.

Bei „Das Wasser-Komplott“ handelt es sich um eine seichte, simpel geschriebene Geschichte, deren Botschaft aber viel mehr ist als die schriftliche Verpackung. Es ist eine Botschaft die es wert ist erzählt und durchdacht zu werden. Was hat es aber nun mit dem eingangs erwähnten Zaun auf sich? Dieser steht für eine Barriere die Menschen unter- und füreinander errichten um sich selbst zu bevorteilen. Eine Praxis, die wir im aktuellen Zeitgeschehen gut beobachten können.