Es ist schon seltsam. Als ich Ende des letzten Jahres in Wernigerode im Harz auf einer Veranstaltung war und den Film „Biene Majas wilde Schwestern“ sah, ahnte ich noch nicht, dass der Filmemacher und Gast des Abends, Jan Haft, Gründer von Nautilusfilm ist. Die abendliche Unterhaltung über Themen wie Artensterben, Artenschutz und was man dagegen tun könnte, habe ich sehr genossen. Nun, einige Monate später halte ich das Buch „Die Wiese – Lockruf in eine geheimnisvolle Welt“ in den Händen, lese den Namen des Autors und der Groschen fällt. Das Buch stammt aus der Feder Jan Hafts und macht schon auf den ersten Blick einen guten Eindruck. Klar, bei Bücher aus dem Penguin-Verlag ist das auch eher die Regel als die Ausnahme.

Das Buch befasst sich in einer bisher selten gelesenen Art und Weise mit den aktuellen und dringenden Problemenen unserer Zeit und widmet sich ganz und gar einem der potentiell artenreichsten und am stärksten bedrohten Lebensraum den es gibt. Den Wiesen. Hiebei sind vielmehr die extensiv bewirtschafteten Wiesen als die überstrapazierten Intensivgrünländer gemeint. Das anhaltende (menschgemachte) Artensterben, die Entwicklungen und Gründe für die derzeitige Situation und wie wir uns aus der Misere befreien könnten. Aber von vorne. Jan Haft ist ein renomierter und aktiver Naturforscher, welcher auf eine langjährige Laufbahn in der Filmbranche zurückblicken kann. Sein Werdegang beschreibt er diesem Buch recht ausführlich und mach damit seine Liebe zur Natur und allem Lebendigen deutlich. An vielen Stellen erkenne ich mich in seinen Beschreibungen und Ausführungen wieder.

Er gliedert das Buch in einzelne Kapitel, in denen jeweils ein Thema aufgezeigt und diskutiert wird. Für mich als „Kenner“ der Thematik ist im Grunde nichst wirklich neu, dafür gab es hin und wieder ein paar Details, welche auch mir neu waren. Interesierte Laien finden auf jeden Fall eine sehr lesenswerte Zusammenfassung zur aktuellen Lage der Biodiversität. Jan Haft, selbst in den späten 1960ern geboren, schreibt mit viel Fachwissen und Herzblut über seine Erlebnisse in der Natur. Er schildert eindrucksvoll und mit angenehmen Stil den Niedergang der Artenvielfalt. Von den artenreichen Feldern und Wiesen seiner Kindheit und Jugend ist heutzutage nur noch wenig übrig. All das und die Gründe dafür kommen nicht zu kurz.

Viele spannenden Thesen und Themen werden in den ersten Kapiteln des Buch angedeutet, ihre abschließende Betrachtung bzw. Dikussion kommt aber erst im letzten Kapitel zum Tragen. Hier vergeht eindeutig zu viel Zeit und man hat nicht mehr alle der gestellten Fragen im Kopf, wenn diese dann letztlich beantwortet werden. Die anfänglichen Sorgen, das Buch könnte für mich als Botaniker zu sehr in die Faunistik abdriften, bewahrheiteten sich nicht. Obwohl eine leichte Tendenz hin zum Regnum animale erkennbar ist, fällt diese Ungleicheit nicht störend ins Gewicht.

Ein besonders Lob möchte ich dem Pro- und Epilog aussprechen. Noch nie, wirklich noch nie, habe ich das alltägliche Leben in einer Wiese auf so intensive und eindrucksvolle Art und Weise lesen dürfen. Die geschriebenen Worte des Vor- und Schlusswortes sprechen mir aufrichtig aus dem Herzen und fassen die vorangegangenen Kapitel wunderbar zusammen.

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