Wenn ich an Botanik denke, dann in erster Linie an das Botanisieren in Feld und Flur. Oftmals zur Erlangung neuer Erkenntnisse zur gegenwärtigen Bestandsituation von tlw. seltenen und gefährdeten Pflanzenarten. Nachrangig kommt dann irgendwann die wissenschaftliche, theoretische Botanik in meinen Sinn, welche bspw. interessierten Bürgerinnen und Bürgern nähergebracht wird. Keinesfalls aber habe ich bisher an die Forensik gedacht und welche Rolle das Wissen über Pflanzen dabei spielt. Nach dem Lesen von Murder Most Florid von Dr. Mark A. Spencer ist alles anders.

Dieses Buch über die Arbeit eines „Forensic Botanist“, wie er sich selbst beschreibt, erweiterte meinen Horizont und lenkte den Blick über den Tellerrand auf diesen Bereich der Botanik. Spencer selbst ist seit frühester Kindheit in die Flora vernarrt. Seine Jugend verbrachte er in den Wäldern und Wiesen seiner englischen Heimat und erarbeitete sich schon früh durch enormen Fleiß und eiserne Disziplin ein umfangreiches Wissen über Pflanzen, welches seine Lehrer frühzeitig überforderte. Kein Wunder also, dass ihn sein Werdegang über einige Umwege in das Natural History Museum in London, in dem er eine Zeitlang de Stelle des „Chefbotanikers“ begleitete und u. a. für das landesweite Herbarium zuständig war. Ein Traumjob.

Irgendwann kam die britische Polizei auf ihn zu und bat um Mithilfe bei der Aufklärung eines Verbrechens. Grund dafür war seine Expertise in Sachen Flora. Was auf den ersten Blick, zumindest in meinen Ohren, etwas absurd klingt, wird vom Autor wunderbar beschrieben. Mit einer sehr zielsicheren Art erläutert Spencer die Möglichkeiten und Grenzen der botanischen Forensik anhand ausgewählter Fälle (bleibt dabei aber anonym, wer also auf Klatsch und Tratsch aus ist, wird enttäuscht werden) und gibt somit einen Einblick in seine Arbeit als botanischer Ermittler.

Das Buch strotzt voller Informationen zur britischen Kriminalgeschichte und verteilt ganz nebenbei Informationshäppchen zu Ökologie, Naturschutz und Landnutzung der Insel. So lob ich mir das. Ebenfalls geht er auf die Entwicklung der botanischen Forensik ein, die durchaus ein paar Jahre auf dem Buckel hat.

Für mich besonders interessant war, dass die händische Arbeit bei der Spurensuche trotz „neuartiger“ Möglichkeiten wie bspw. DNA, Geologging oder CCTV noch immer eine Rolle spielt und es am Ende die Pflanzen waren, welche eine entscheidende Rolle bei der Aufklärung der Verbrechen spielten.

Unterm Strich ist es ein Buch, was einen bisher wenig beachteten Tätigkeitsbereich der Botanik beleuchtet und es in einer angenehmen Schreibweise schafft, Wissen zu vermitteln und das Interesse für die botanische Forensik zu wecken. Auf jeden Fall eine Empfehlung.

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