Heute möchte ich mal eine Art vorstellen, die sicherlich gar keine Vorstellung braucht und euch sicherlich bekannt sein wird. Ihren Namen kennen Kinder wahrscheinlich als ersten Pflanzennamen überhaupt und nicht von ungefähr gilt diese Art als  die meist bekannte Pflanzenart in Mitteleuropa. Na klar, die Rede ist vom Ausdauernden Gänseblümchen (Bellis perennis). Beim Schreiben dieser Zeilen, habe ich mich gefragt, wieso dieser botanische Klassiker nicht schon längst im Blog aufgetaucht ist? Tja, das kann ich auch nicht sagen. Wahrscheinlich war er mir bisher zu „gewöhnlich“. Das soll sich aber in diesem Jahr ädern, indem ich das Augenmerk auch auf unsere täglichen botanischen Begleiter richte.

Das Gänseblümchen ist einer der ersten Frühlingsboten und es heißt, wer die ersten drei Gänseblümchen im Frühjahr esse, werde das restliche Jahr von Zahnschmerzen, Augenbeschwerden und Fieber verschont. Und wer getrocknete Gänseblümchen bei sich trüge, die am Johannistag mittags zwischen 12 und 13 Uhr gepflückt wurden, dem ginge keine wichtige Arbeit schief.

Das Gänseblümchen ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von meist 4 bis 15 (selten auch bis 20) Zentimetern erreicht. Am kurzen, aufrechten Rhizom befinden sich faserige Wurzeln. Dem Rhizom verdankt die Art auch ihre ausgeprägte Ausbreitungsfähigkeit. In Windeseile werden ganze Lebensräume erschlossen und besetzt. Jede Blattrosette bringt von März bis November ununterbrochen aufsteigende bis aufrechte, blattlose, meist 5 bis 15 Zentimeter lange Blütenstandsschäfte mit einzeln stehenden Blütenkörbchen hervor, daher auch der Name Bellis perennis.

Aber aufgepasst. Bei den markanten weißen Blüten von B. perennis handelt es sich in Wahrheit um Scheinblüten (Pseudanthium). Das Blütenkörbchen richtet sich aufgrund des Heliotropismus immer nach der Sonne und schließt sich abends sowie bei schlechtem Wetter. Die Blütenkörbchen des Ausdauernden Gänseblümchens, welche von Februar bis in den November hinein aufblühen, werden von Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und vor allem Fliegen besucht. Zum Teil findet bei diesen Blütenbesuchen Fremdbestäubung statt.

Die in einer dichten Blattrosette zusammen stehenden Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Der geflügelte Blattstiel ist mindestens so lang wie die Blattspreite.

Die Blüten sind, wie für Korbblütler typisch, vormännlich, das heißt, die Staubblätter sondern reife Pollen ab, wenn die in der Blüte befindlichen Fruchtblätter noch nicht bereit für eine Bestäubung sind. Bei bestäubten Blüten entwickelt sich aus dem Fruchtknoten ein Nüsschen, die sogenannte Achäne. Das Gänseblümchen nutzt eine Reihe sehr unterschiedlicher Strategien zur Ausbreitung dieser Achänen.

Typisch für Gänseblümchen ist die Verbreitung der Samen durch den Regen. Dadurch werden diese im Umkreis der Mutterpflanze von ihr weggeschleudert. Eine weitere Ausbreitungsform findet durch den Wind statt (Anemochorie), welcher die elastischen und etwas verlängerten Stängel bewegt und die kleinen Samen ausstreut. Aber auch Tiere tragen zur Verbreitung der Art bei (Zoochorie), vor allem Regenwürmer, Schafe und Rinder. Schließlich hilft sogar der Mensch bei der Ausbreitung (Anthropochorie). Das Gänseblümchen kann sich aber auch vegetativ vermehren.

Das Gänseblümchen wird gelegentlich als Futterpflanze genutzt. Es kann auch im Salat verwendet werden. Am besten schmecken die jungen Blättchen aus dem Inneren der Rosette.

Aus der Gattung Bellis kommt lediglich Bellis perennis außerhalb des Mittelmeerraums, auch in Mittel- und Nordeuropa vor. B. perennis wird in Mitteleuropa als ein Archäophyt betrachtet, der durch Schaffung von weiträumigen Wiesen und Weiden in vorgeschichtlicher Zeit zu einer weiten Ausbreitung nach Norden kam. Zum so häufigen Auftreten dieser Pflanze kam es jedoch erst mit der Einführung von Rasenflächen in Gärten und Parks. Durch den Menschen wurde diese Art später auch in Nord- und Südamerika, längs der pazifischen Küste, auf Madeira und Neuseeland angesiedelt.

Der wissenschaftliche Name Bellis perennis wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum erstveröffentlicht. Bellis (lateinisch) bedeutet schön, hübsch, perennis (lat.) ausdauernd, mehrjährig.

Bevorzugte Standorte sind Weiden, Parkrasen und Gärten auf nährstoffreichem Untergrund, bewachsene Bahndämme; ein regelmäßiger Schnitt ist erforderlich, da die Gräser und Wildblumen sonst die niedrig wachsenden Gänseblümchen überwuchern. Da Bellis perennis eine Speicherpflanze ist, überlebt sie den Winter im Schnee. Auf landwirtschaftlich genutzten Wiesen ist sie auch Zeiger für verdichtete Böden und übernutzte Wiesen und Weiden.

 

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