Einige Pflanzen versetzen mich in erstaunen, gehören sie doch für gewöhnlich nicht in die Gegend, in der ich sie auf meinen Streifzügen finde. Dies zeigt mir stets auf ein Neues, dass Pflanzen überaus anpassungsfähig sind und sich keineswegs an Lehrbücher halten. Solange der Boden bzw. das Substrat stimmt, gedeihen sie prächtig, völlig unabhängig ob es ihr angestammtes Verbreitungsgebiet ist oder nicht. Eine solche Art ist der Gelbe Hornmohn (Glaucium flavum). Für gewöhnlich ist diese Art aus der Familie der Mohngewächse an den Spülsäumen der Meere auf leicht salzhaltigen Böden azutreffen. Durch eine Besonderheit im sachsen-anhaltischen Salzlandkreis hat er fernab jeglicher Meere einen idealen Lebensraum gefunden. Die Besonderheit sind die Kalk- oder Schwemmteiche des Solvay-Werkes. Deren salz- und kalkhaltiges Substrat bieten beste Vorraussetzungen für allerhand exclusive Pflanzenarten. Eine davon isz bspw. Glaucium flavum.

Glaucium flavum

Glaucium flavum ist eine zweijährige bis ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 90, manchmal auch 100 Zentimetern. Er hat aufsteigende sich niederliegende, stark verzweigte, kahle oder schwach behaarte Stängel. Die unteren Laubblätter bilden eine Rosette und sind gestielt, weiter oben sind sie dann sitzend und umfassen am Grund den Stängel. Die kräftig grünen Laubblätter sind dickfleischig, fiederspaltig mit gezähnten bis gelappten Abschnitten und graugrün bereift. Sie werden bis zu 30 Zentimeter lang und haben bis zu neun Einschnitte, wobei sie gegen die Spitze weniger tief gelappt sind als am Grund.

Fruchtkapsel von Glaucium flavum.

Die Blütezeit von Glaucium flavum reicht von Mai bis August. Die zwittrigen, radiärsymmetrischen Blüten besitzen einen Durchmesser von 5 bis 9 Zentimetern und sind von leuchtent gelber Farbe, welche sie bereits aus einiger Entfernung erkennbar macht. Die zwei 2 bis zu 4 Zentimeter langen Kelchblätter sind oft behaart und fallen beim Öffnen der Blüte ab. Die vier verkehrt-eiförmigen, zitronen- bis goldgelben Kronblätter weisen oft rötliche bis violette Flecken auf, sind 2,5 bis 4 Zentimeter lang und überlappen sich meist nur am Grund. Die Kronblätter fallen meist schon zwei Tage nach dem Aufblühen der Blüte wieder ab. Gelegentlich kommen auch drei Kelchblätter und sechs Kronblätter vor. Es sind viele Staubblätter mit den gelben Staubfäden und Staubbeuteln vorhanden. Zwei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Die zweilappige Narbe steht direkt auf dem Fruchtknoten, es fehlt also ein Griffel.

Glaucium flavum

Es werden aufrechte, lange, schmale Kapselfrüchte mit zwei Fächern gebildet. Obwohl der Gelbe Hornmohn zur Familie der Mohngewächse zählt, sehen die Kapselfrüchte mehr den Schoten der Kreuzblütler als den Porenkapseln anderer bekannter Mohngewächse ähnlich. In vielen Teilen Deutschlands gilt diese Art als unbeständig, d.h. noch nicht endgültig eingebürgert. Manche Bundesländer führen Glaucium flavum in ihrer Roten Liste. So auch Sachsen-Anhalt, hier ist diese Art „stark gefährdet“ und wird dementsprechend in der Kategorie 2 der Roten Liste des Landes geführt.

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