Was war das doch für ein herrlicher Sonntag! Meines Ermessens nach der erste richtige Frühlingstag in diesem Jahr. Natürlich nutzte ich die 17 Grad und wackelte erneut in den Harz. Die Harzer Wandernadel ist, zumindest in meinem Fall, eine starke Motivation, jede freie Minute in Deutschlands nördlichstem Mittelgebirge zu verbringen. Diesmal ging ich die Wanderung aber etwas systematischer an und suchte mir vornehmlich Stempelstellen heraus, die mich näher an das Abzeichen „Harzer Hexenstieg“ bringen. Die Wahl fiel auf die Region um Königshütte nahe Elbingerode.

Noch bevor die eigentliche Tour begann, wanderte ein Bonusstempel in mein Stempelheft. Die Teufelsmauer bei Weddersleben (Stempelstelle 188) ragte markant in der Ferne auf und lockte meine Füße wie durch Zauberhand in ihre Richtung. Ihr kennt das.

Dieses Gebilde aus Sandstein ist der markanteste Teil der gesamten „Teufelsmauer“ und diente schon als Kulisse für so manchen Spielfilm. Trotz des schönen Wetters waren nur sehr wenige Leute zugegen und ich hatte wieder mal jede Menge Gegend nur für mich alleine. Sehr schön.

Die Teufelsmauer bei Weddersleben ist das wohl markanteste Ziel der Harzer Wandernadel.

Aber meine Füße wollten weiter, immerhin war das hier gar nicht eingeplant gewesen. Nächster Halt war also Königshütte. Dieses verschlafene Dörfchen hat durch die hier gebauten Industrieanlagen etwas an Charme verloren, das historische Dorfzentrum allerdings weiß durchaus noch zu bezaubern. Die Ruine Königsburg (Stempelstelle 41) bildete das erste planmäßige Ziel und setzte einen mühsamen Aufstieg voraus. Die Stürme der letzten Zeit hatten Bäume umgestoßen und diese lagen nun teilweise auf den Wegen und Pfaden. Nichtsdestotrotz war alles machbar und schon bald belohnte mich der Anblick der geschichtsträchtigen Ruine.

Die Ruine Königsburg steht etwas verlassen im Wald. So entgeht bestimmt vielen Wanderen ihre Geschichte und der schöne Blick auf Königshütte.

Der Weg führte nun wieder hinab auf den Wanderweg und nahm die Richtung zu Trogfurther Brücke (Stempelstelle 42). Der Weg dahin führte durch einen langsam erwachenden Nadelwald. Besonders die frischen Gerüche sowie das noch strahlende Grün der Moose riefen eine wunderschöne Stimmung hervor und ließen meine Beine beschwingt ausgreifen. Irgendwie fühlte ich mich an Skandinavien erinnert.

Die Trogfurther Brücke über die Bode war über viele Jahrhunderte hinweg, ein wichtiger Teil der Handelsstraße von Italien über den Harz nach Skandinavien. An dieser Stelle wurde im Jahr 919 bereits erstmals eine Furt als „Trogweg“ erwähnt.

In den Jahren um 1740 wurde aus Bruchsteinen, welche wahrscheinlich von einem Wartturm der Susenburg stammten, die Trogfurther Brücke errichtet. Ein paar Tage vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde diese Brücke am 14.04.1945 von der SS gesprengt.

Das Nachfolgebauwerk, eine Brücke aus Stahlbeton und Holz wurde überflüssig nachdem der Bau der Überleitungssperre am 24.08.1956 vollendet war. Die Staumauer, welche heute auch zur Überquerung der Bode genutzt wird, steht wenige Meter östlich der ehemaligen Trogfurther Brücke.

Die Trogfurther Brücke (Stempelstelle 42 der HWN).

Nach einer kurzen Rast in der Sonne ging es auf der anderen Seite der Überleitungssperre Königshütte zurück in das gleichnamige Dorf. Nur um dieses an der anderen Seite zu verlassen und die wohl zweitschönste Sehenswürdigkeit des heutigen Tages zu erreichen. Den Königshütter Wasserfall (Stempelstelle 40).

Der Königshütter Wasserfall (496 m ü. NN) befindet sich nahe der Bundesstraße 27 im Ortsteil Rothehütte unweit der Eisenbahnbrücke der Rübelandbahn. Der in einem alten Steinbruch künstlich angelegte Wasserfall stürzt über einen Felsen etwa 20 Meter in die Tiefe und ist bereits von der Straße aus zu sehen. Die warmen Sonnenstrahlen genügten allerdings noch nicht um ihn vollends vom Eis zu befreien. Auf dem Rückweg lud das Gasthaus „Am Felsen“ geradezu ein, diesen schönen Tag mit einem Eisbecher würdig zu ehren.

Die Stempelstelle 40 befindet sich oberhalb des Königshütter Wasserfalls.

Ein Blick auf die zeigte gerade mal Mittag an. Keine Zeit also um den Harz schon wieder zu verlassen. Schnell waren zwei weitere Stempelstellen in der Nähe ausgemacht und erwandert. Zunächst lag die Stempelstelle 39 auf dem Wege. Dahinter verbirgt sich eine, in meinen Augen, weniger interessante Sehenswürdigkeit. Aber wer weiß, vielleicht begeistert der Tagebau Felswerke ja andere Wanderer, denn immerhin befinden sich im Raum Elbingerode/Rübeland eines der qualitativ hochwertigsten und bedeutendsten Massenkalkvorkommen Deutschlands. Seit ca. 100 Jahren wird der Kalkstein hier deshalb in Tagebauen abgebaut.

Die Kalksteinlagerstätten im Raum Elbingerode/Rübeland entstanden im Devon vor etwa 350 Millionen Jahren. Mit einem Kalziumkarbonat-Gehalt (CaCO3) von 97% bis 99% bildete sich ein Vorkommen ungewöhnlicher Reinheit, Homogenität und Mächtigkeit. Der Kalkstein wurde über viele Jahrhunderte nur für den lokalen Bedarf oder für Manufakturen z.B. Marmormühlen oder kleine Brennöfen im Zusammenhang mit der örtlichen Eisenindustrie gewonnen.

Dies änderte sich mit dem Bau der Rübelandbahn von Blankenburg in den Harz über Rübeland, Elbingerode bis nach Tanne in den Jahren von 1884 bis 1886 grundsätzlich. Entlang der Bahnstrecke entstand innerhalb weniger Jahre eine Vielzahl von Kalkwerken.

Der Tagebau Felswerke ist die Stempelstelle 39 und führt Kalkstein in hervorragender Qualität.

Den Abschluss und sechsten Stempel bildete die Stempelstelle 38 „Galgenberg“ nur wenige Hundert Meter nördlich von Elbingerode. Hier war in früheren Zeiten der Name Programm und auch mir kamen auf dem Weg zum schon von weithin sichtbaren Felsen düstere Gedanken. Diese waren bei dem Blick auf den abendlichen Harz schnell wieder verflogen. Am Ende der Wanderung hatte ich 6 neue Stempel in meinem Heft und deutlich mehr Kilometer in meinen Knochen. Mit einem Blick auf den sich emporragenden Brocken wandte ich mich dem Heimweg zu.

Der Galgenberg ist mit 506 m ü. NN die höchste Erhebung eines östlich von Elbingerode liegenden Kalksteinklippenzuges und Stempelstell 38 der HWN.