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Hinweis: das in diesem Beitrag vorgestellte Buch hat mir der pala-Verlag zur Verfügung gestellt und mir nach der Rezension überlassen.

Als Botaniker habe ich zu Friedhöfen ein eher positives Verhältnis. Nicht selten dienen die letzten Ruhestätten unterschiedlichen Tieren und Pflanzen als Refugium. Speziell in Großbritannien hat sich eine rege Bewegung gebildet, die sich der Biodiversität auf Gottesäckern verschrieben hat.

In eine ähnliche Richtung geht das ca. 157 Seiten dicke Buch von Sigrid Tinz aus dem pala-Verlag. Die im Münsterland lebende und als Geoökologin tätige Autorin beschreibt in ihrem Buch die Bedeutung von Friedhöfen für die heimische Artenvielfalt. Bisher kannte ich nur wenige Werke, die sich mit der Thematik hierzulande auseinandersetzen. Eines davon hat Stefanie in ihrem letzten Beitrag vorgestellt.

Gerade weil die Artenvielfalt in Landschaft und Städten arg zu leiden hat, sind Bücher wie „Der Friedhof lebt“ in unserer heutigen Zeit relevant. Sigrid Tinz versteht es, die passenden Worte zu finden und bringt die Themen der insgesamt 12 Kapitel gut zu Papier. In den ca. 4 Seiten langen Kapiteln dreht es sich abwechselnd um Tiere und Pflanzen, Wasser und Steine. Alles was lebt oder zum Leben gebraucht wird, findet in dem Buch seinen Platz.

Gleich zu Beginn schickt die Autorin aber einen Disclaimer vorweg, den ich sehr sympathisch finde. Ihr Werk versteht sich vielmehr als ein Blick auf die Oberfläche, auf das Große und Ganze. Fachleute sollen das bitte nachsehen. Ihr ist es wichtig, den „normalen“ Menschen die Augen zu öffnen, sie zu sensibilisieren und für die Thematik zu begeistern. Ein Ansatz, den ich vollkommen unterstütze und selbst im Naturschutz praktiziere.

Auf den meisten Seiten illustrieren Bilder in höchster Qualität das geschriebene. Nur ganz selten hat man eine ausschließlich aus Text bestehende Doppelseite vor Augen. Die Fotos, welche eine ganze Seite füllen und in einem dezenten Passepartout daherkommen, sind grandios ausgewählt und inszeniert. So illustriert, erhält das ganze Buch einen deutlichen Mehrwert.

Ebenfalls einen Mehrwert hatte für mich das Kapitel „Auf weichen Wegen durch die Ewigkeit“. Darin beschreibt Sigrid Tinz den Vorteil unbefestigter Wege. Deren Bedeutung für allerhand Flora und Fauna immens ist.

Die Liebe der Autorin zum Detail, wird in jedem Satz deutlich. Kein Wunder, hat die Referentin für Natur-, Garten- und Umweltthemen doch seit ihrer Kindheit Friedhöfe nach Lebendem aus dem Tier- und Pflanzenreich abgesucht.

Sigrid Tinz lenkt mit diesem Buch den Blick auf einen als morbide und unangenehm wahrgenommenen Lebensraum und zeigt dessen Bedeutung für die Artenvielfalt. Mir gefällt der Ansatz und die hervorragenden Bilder heben das Bauch noch mal auf def Qualitätsskala nach oben. Daumen hoch für das Buch von Sigrid Tinz.