Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen, welches sich mit einem Thema oder mit Themen befasst, die ich bislang nur periphär auf dem Schirm hatte. Darauf aufmerksam wurde ich, wie so oft, durch meine Kollegen, welche aus den unterschiedlichsten Bereichen der Biologie, Genetik, des Naturschutzes oder der Pflanzenforschung kommen. In Stefano Mancusos Werk „Pflanzenrevolution: Wie die Pflanzen unsere Zukunft erfinden“ geht es um nichts Geringeres, als um die erstaunliche Leistungsfähigkeit der Pflanzen sowie deren Gewinn für die Menschheit, wenn diese sich doch endlich mal dazu herablassen würde, die Pflanzenwelt ernst zu nehmen.

Mancuso kann sich sei eine Meinung durchaus leisten, forscht er seit Jahren in einem Fachgebiet, was zumindest für mich äußerst exotisch klingt. Der Pflanzenneurobiologie. Dementsprechend ist auch sein aktuelles Buch aufgebaut und befasst, verteilt auf neun Kapitel, u.a. mit de, Denk- und Sehvermögen von Pflanzen, ohne dass sie offensichtlich dafür ausgelegte Organe haben. Und da haben wir bereits den Knackpunkt des Buches. Der Mensch ist viel zu sehr auf sein Weltbild getrimmt und sieht sich und seine „tierische“ Konstruktion als Maß der Dinge. Dabei sind Pflanzen durch ihre bauliche Beschaffenheit zu deutlich mehr Leistung bei weniger Energieverbrauch in der Lage. Ein Umstand, welcher sich überaus gewinnbringend auf die menschliche Entwicklung auswirken könnte. Immerhin immitieren wir seit Jahrhunderten Pflanzen und versuchen uns ihre natürlichen Eigenschaften mittels Technik anzueignen. Mehr oder minder erfolgreich.

Pflanzenrevolution: Wie die Pflanzen unsere Zukunft erfinden als ePUB-Ausgabe.

Mir gefällt die bunte Themenauswahl ausgesprochen gut, wann hat man schon mal Gelegenheit, etwas über das Verhalten von Pflanzen in der Schwerelosigkeit zu lesen? Generell beleuchtet Mancuso Bereiche der Pflanzenforschung, die allesamt fremd aber gleichzeitig spannend klingen.

Zugegeben, auf den ersten Seiten des Buches klingen die Sätze und Sachverhalte wie Science-Fiction. Aber Dank den ausführlichen und leicht verständlichen Erklärungen des Autors klingen Sachen wie „Pflanzen können sich erinnern und Bilder sehen“ nicht mehr ganz so abwegig. Weil wir gerade beim Autor sind, Stefano Mancuso ost beileibe kein unbeschriebenes Blatt. Der Mann weiß wovon er spricht bzw. schreibt. Er arbeitet seit 2001 als Hochschullehrer (professore associato) an der Universität Florenz und ist Mitglied der Accademia dei Georgofili. Mancuso ist Gründungsmitglied der „International Society for Plant Signaling & Behavior“ und Direktor des 2015 gegründeten „Laboratorio Internazionale di Neurobiologia Vegetale“ (LINV, International Laboratory of Plant Neurobiology). Er forscht auf dem Feld der Pflanzenneurobiologie und sorgt mit der, auch populärwissenschaftlichen, Veröffentlichung seiner Untersuchungsergebnisse für wissenschaftliche Kontroversen. Demzufolge machen auch seine Forschungsarbeiten einen nicht unerheblichen (und für mich weniger spannenden) Teil des Buches aus. Aber das ist eine reine Geschmackssache und kann bei euch ganz anders aussehen.