Prinzipiell sind alle Pflanzen schön, schützens- und bewundernswert. Manche jedoch üben auf mich eine besondere Anziehungskraft aus und lassen mir keine Ruhe, bis ich sie in natura bestaunen durfte. In diesem Jahr hatte ich mit Muscari comosum bereits eine solche Pflanze entdeckt und im Blog beschrieben. Eine weitere meiner Highlight-Arten hat in diesem Jahr aufgrund der Trockenheit nicht geblüht und steht daher schon auf meiner Liste für die Botaniksaison 2020.

Swertia perennis besitzt einen markanten Blütenstand, welcher von Juli bis August zu bewundern ist.

Am vergangenen Wochenende jedoch hatte ich das Gück, erneut eine Art von meiner Wunschliste zu streichen, welche ich bereits seit 2014 vergeblich gesucht habe. Ansichtig wurde ich ihr in meiner Heimat, dem Erzgebirge und es handelt sich dabei um den Sumpfenzian (Swertia perennis).

Swertia perennis wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 15 bis 60 Zentimetern. Der Stängel ist fühlbar kantig. Die unteren Laubblätter sind eiförmig und wechselständig und erinnern nicht von ungefähr an Wegerichgerwächse (Plantago spec.). Die oberen Laubblätter sind lanzettlich, gegenständig und kleiner.

Die unteren Laubblätter von Swertia perennis erinnern entfernt an einen Wegerich (Plantago spec.).

Die Blüten zeigen sich zwischen Juli und August in voller Pracht und stehen in einem lockeren, rispentraubigen Blütenstand zusammen. Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und vier- oder fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die stahlblauen bis trübvioletten Kronblätter sind bis fast zum Grund voneinander getrennt, sternförmig ausgebreitet und eine wahre Augenweide. Das gewisse Etwas verleihen ihnen dunklere Punkte oder Streifen. Die Kronzipfel haben am Grund je zwei fransig abgedeckten Nektargrübchen. Die Blütenkrone ist stieltellerförmig.

Die Blüten von Swertia perennis mit ihren markanten dunklen Punkten.

Aber auch für die Insektenwelt ist Swertia perennis ein Magnet. Die Bestäubung erfolgt vor allen durch Fliegen und Käfer, wie ich zum Zeitpunkt der Aufnahmen feststellen durfte. Weltweit gibt es etwa 90 Swertia-Arten mit der Hauptverbreitung in den asiatischen Gebirgen. Swertia perennis kommt in Spanien, Frankreich, in Mittel-, Ost- und Südosteuropa, in China, Japan, in Alaska, Kanada und in den Vereinigten Staaten vor. Als Standort werden kalkarme Flach- und Quellmoore, Feuchtwiesen von der Tallage bis in etwa 2500 Meter über dem Meeresspiegel bevorzugt. In den Allgäuer Alpen steigt er bis zu einer Höhenlage von 1400 Metern auf.

Swertia perennis inmitten einer Bergmähwiese.

In Sachsen-Anhalt gilt diese Art als ausgestorben und in Sachsen als „vom Aussterben bedroht“. Bundesweit ist Swertia perennis auf Grundlage der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt.