Heutzutage gibt es in nahezu allen Bereichen Meisterschaften um aus einem bestimmten Mitbewerberfeld den Sieger oder die Siegerin zu küren. Im Auge des Betrachters liegt es, die einzelnen Meisterschaften als mehr oder weniger sinnvoll einzustufen. In Sachsen-Anhalt fand die Tage eine, in meinen Augen, mit den Grünlandmeisterschaften 2019 ein überaus sinnvoller Wettsreit statt. Um es vorweg zu nehmen, die Gewinnerin kommt aus Sachsen-Anhalt, ist mir gut bekannt und obendrein eine sehr stark bedrohte Wiesenart. Passend zur Thematik folgt eine Pressemitteilung des hiesigen Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Ernährung (MULE).

Die schönste Wiese im Landkreis Stendal liegt an der Elbe. Gut die Hälfte der in Sachsen-Anhalt lebenden Wachtelkönige haben hier ihr zu Hause gefunden. Das Nordische Labkraut zeigt die periodisch stattfindende Überflutung an. Die Brenndolde gibt dem Lebensraumtyp Brenndolden-Auenwiese ihren Namen. Insgesamt wurden 18 wertgebende Arten auf der wechselfeuchten Wiese angetroffen. Sie gibt als Dauer- und Mähweide Rindern wertvolles Futter.

Im Februar hatte Landwirtschaftsministerin Prof. Dr. Claudia Dalbert Landwirtinnen und Landwirte des Landkreises Stendal aufgerufen, sich an den zweiten Grünlandmeisterschaften in Sachsen-Anhalt zu beteiligen. Am Mittwoch fand die feierliche Preisverleihung im Fürstensaal der Staatskanzlei statt. Die artenreichsten Wiesen und Weiden bekamen eine Auszeichnung. Dabei wurde auch bewertet, ob und wie die Pflanzen als Futter für Weidetiere geeignet sind.

Eine Brenndolden-Auenwiese bei Aken in Sachsen-Anhalt.

„Wir würdigen die Verdienste unserer Landwirtinnen und Landwirte, die das natürliche Grünland erhalten. Sie pflegen die Wiesen und Weiden, damit seltene Vögel darin brüten können oder streng geschützte Schmetterlinge wie der Wiesenknopf-Ameisenbläuling ihre Wirtspflanze vorfinden. Gleichzeitig dient dieses Grünland als Futter für Weidetiere. Hier leisten die Landwirtinnen und Landwirte wertvolle Arbeit, um die Artenvielfalt zu erhalten und den Nutztieren ihre natürliche Umgebung zu bieten. So sieht Landwirtschaft im Einklang von Mensch, Natur und Tier aus“, lobte die Ministerin die Teilnehmenden.

Sie dankte der Jury herzlich für ihr Engagement. „Die Jury hat auf den Vor-Ort Terminen mit viel Sach- und Fachkunde nach ökologischen und landwirtschaftlichen Kriterien die Ausstattung der Flächen und deren Bewirtschaftung eingeschätzt. Sie ist zum Schluss gekommen, alle Einsendungen zu würdigen“, erläuterte Dalbert. Daher gibt es neben einem ersten und zweiten Platz insgesamt vier dritte Plätze.

Mit dem ersten Platz wurde der Biohof Lutz Koch mit seiner Wettbewerbsfläche im Flora-Fauna-Habitat-Gebiet Elbaue Beuster-Wahrenberg ausgezeichnet. Die Jury schätzte die Fläche wie folgt ein:

„Die landschaftlich schön in Elbnähe gelegene Fläche ist durch Senken und Gehölze gegliedert. Es handelt sich um eine blütenreiche Wiese mit 18 wertgebenden Kennarten, wie zum Beispiel das nordische Labkraut als Zeiger für periodisch stattfindende Überflutungen und die Brenndolde. Die Brenndolde gibt dem Lebensraumtyp (LRT) Brenndolden-Auenwiese ihren Namen. Neben diesem hohen botanischen Wert ist hervorzuheben, dass hier 50 Prozent der Brutpopulation des Wachtelkönigs des Landes Sachsen-Anhalt vorkommen.

Die Brenndolde (Selinum dubium) ist eine Charakterart der Brenndolden-Auenwiesen.

Zum Schutz dieses wachtelähnlichen, seltenen Vogels und des kräuterreichen Bestandes erfolgt die Bewirtschaftung als zeitlich gestaffelte Mahd. Die Wiesenfuchsschwanzwiese mit ihren Futtergräsern als Hauptbestandsbildner dient als Mähweide den hofeigenen Mutterkühen der Futteraufnahme. Sie wird zum 1. Juli gemäht und wird im September durch die Rinder beweidet. Das von der Wiese geerntete Heu steht den 80 Mutterkühen als Winterfutter zur Verfügung. Eine zusätzliche Düngung – außer dem Dunganfall durch die Beweidung – erfolgt nicht. Giftpflanzen wurden auf der Fläche nicht gefunden. Eine betriebseigene Schlachtstätte und ein Hofladen vor Ort runden das Bild der Kreislaufwirtschaft ab und bilden somit eine regionale und landwirtschaftliche Bilderbuch-Wertschöpfungskette.

Den zweiten Platz belegte Michael Schultz mit seiner Elbwiese am Brennersdamm. Sie ist malerisch in Deichnähe gelegen und durch Gehölze untergliedert. Die Störche nutzen sie zur Nahrungssuche. Die Wiese zeichnet sich durch zahlreiche Kennarten der frischen bis wechselfeuchten Wiesen aus, die in gleichmäßiger Verteilung überall auf der Wiese zu finden waren. Sie befindet sich im Übergangsstadium vom Lebensraumtyp „Brenndolden-Auenwiesen“ zum Lebensraumtyp Magere Flachland-Mähwiese. Diese Wiese gehört mit den aufgefundenen Kennarten zu den artenreichsten Wiesen im Vergleich zu den übrigen bewerteten Flächen.

Die dritten Plätze belegten der Schäfer Ronald Gerecke, die Fischbeck AG, die Orchideenwiese der Klug GbR als Teil einer hochstauden- und seggenreichen Nasswiese als geschütztes Biotop und die Streuobstwiese des Naturmalers Eugen Kisselmann.

Kriterien für die Bewertung waren zum einen der Zustand der Fläche aus naturschutzfachlicher Sicht wie der wertgebenden Kennartenerfassung, die Blühaspekte und die Ausgewogenheit eines Gräser-Kräuter-Leguminosen-Gemisches im Bestand. Zum anderen wurden die Bewirtschaftung und landwirtschaftliche Verwertung sowie eine vorhandene landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette bewertet.

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