Wer dieser Tage mit wachsamen Augen durch die Flur streift, sieht schon jede Menge Botanisches, was bereits in den Startlöchern steht. Ob es nun weitere Auswirkungen des Klimawandels sind oder nicht, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Für die Schwarze Nieswurz ist es jedenfalls Zeit, gehört sie doch mit zu den ersten blühenden Pflanzenarten unserer Gefilden.

Helleborus niger ist eine immergrüne, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 10 bis 30 Zentimetern. Sie besitzt ein schwarzes Rhizom und schwarze Wurzeln. Individuen können an geeigneten Plätzen bis zu 25 Jahre alt werden. Die am Grund lang gestielten Laubblätter sind „fußförmig“ in sieben bis neun Abschnitte gegliedert. Die einzelnen Abschnitte sind lanzettlich mit ganzrandigem oder gezähntem Blattrand. Die ledrigen Grundblätter sind tiefgrün. Am Stängel befinden sich ein bis zwei (selten drei) blasse, ovale Hochblätter. Die frostempfindlichen Blätter sind an ihrem natürlichen Standort durch Schnee geschützt.

Als Standort bevorzugt die kalkstete Pflanzenart buschige Hänge, lichte Buchen- und Buchenmischwälder, aber auch Fichtenwälder und im Süden Flaum-Eichenwälder. Sie kann bis in die Krummholzzone aufsteigen.

Hauptblütezeit von H. niger ist von Februar bis April, kann jedoch je nach Schnee- und Höhenlage auch schon im November beginnen bzw. im Mai enden. Hier in Sachsen-Anhalt hält es die Art eher mit Mitte Februar und verschönert dann Gärten und Parkanlagen. Da liegt auch der sprichwörtliche Hund begraben. In Deutschland ist H. niger nur in Bayern heimisch, ist die Art doch auf Höhenlagen angewiesen und kommt in den Berchtesgadener Alpen in bis zu 1500 m Höhe vor. Demzufolge sind die Bestände außerhalb Bayerns, also auch hier in Sachsen-Anhalt, sehr wahrscheinlich Gartenflüchtlinge oder verwilderte Zierpflanzen.

Die Blüten sind endständig und stehen einzeln (selten zu zweit oder dritt) am meist unverzweigten Stängel. Die Blüte erreicht einen Durchmesser zwischen 5 und 10 Zentimetern. Die weiße oder rötliche Blütenhülle (Perigon), setzt sich aus fünf eiförmigen Kelchblättern, die zu einem kronblattartigen Schauapparat umgestaltet wurden, zusammen. Die Blütenhüllblätter sind während des Abblühens grünlich oder durch Anthocyane rötlich überlaufen und bleiben lange erhalten.

Blütenstand von Helleborus niger (Schwarzer Nieswurz). Bei den alten Griechen hieß die Pflanze helléboros (έλλεβόρου). Das lateinische Artepitheton niger bezieht sich auf das schwarze Rhizom dieser Pflanzenart. Der Name Schwarze Nieswurz verweist sowohl auf das schwarze Rhizom als auch auf die Verwendung als Niespulver.

Die eigentlichen Kronblätter sind zu gelben bis gelbgrünen, tütenförmigen (österreichisch: stanitzelförmigen) Nektarblättern umgebildet. Diese sondern reichlich Nektar ab und duften anders sowie intensiver als die Blütenhülle. Die zahlreichen, gelben Staubblätter sind an der verlängerten Blütenachse spiralig angeordnet. Die Schneerose ist nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt und nach der Roten Liste Deutschland als gefährdet (3) eingestuft. Gefährdungsfaktoren sind vor allem Ausgraben und Sammeln der Pflanze, einer Unart, von der ich mich bereits selber überzeugen konnte.

Blattoberseite von Helleborus niger. Deutlich zu sehen ist der gezahnte Blattrand.

Blattunterseite von Helleborus niger.

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