Ich möchte mit den Artportraits noch eine Weile bei den Enzianen verweilen, zu schön ist diese Gattung. Eine besonders schöne Art ist in den Gebirgen Europas zu finden und macht durch ihre kräftige blaue Farbe schon Weitem auf sich aufmerksam. Die Rede ist von der kleinen Art Gentiana verna, Frühlings-Enzian.

Bei G. verna handelt es sich um eine ausdauernde krautige Pflanze, welche normalerweise eine Wuchshöhe von 7 (15 Zentimetern erreichen kann. Die seltenen 15 Zentimeter konnte ich im letzten Jahr in Österreich bestätigen. Die Blattspreiten sind elliptisch lanzettlich. Von den ein bis drei Paaren kreuzgegenständiger Stängelblätter befindet sich das oberste dicht unterhalb des Blütenkelches. Mit einer Länge von etwa 30 Millimetern fallen die ein- bis dreinervigen, Rosetten bildenden Grundblätter deutlich größer als die Stängelblätter aus. Die Blütenform (Stieltellerblüte) und die leuchtend blaue Färbung deuten darauf hin, dass der Frühlings-Enzian besonders von Tagfaltern bestäubt wird. Weiter sind auch langrüsselige Hautflügler, vor allem Hummeln an der Bestäubung von G. verna beteiligt. Die Ausbreitung der Samen erfolgt neben der durch Ameisen in erster Linie über den Wind. Seine Blüte Zeit reicht von Mai bis August und weist eine Besonderheit auf. Unter günstigen Bedingungen gelingt dieser Art eine Herbstblüte. Das erfreut mich ganz besonders, da ich mich im Frühling meist in anderen Biotopen aufhalte und somit die erste Blütezeit der Art verpasse.

Gentiana verna hat sein Hauptvorkommen auf trockenen, mageren Wiesen mit kalkhaltigem Untergrund, kommt aber ebenfalls auf Silikat und Feuchtwiesen vor. Der Frühlings-Enzian gilt als Zeigerpflanze für stickstoffarme Böden. Der Frühlings-Enzian steht, wie alle anderen Enzianarten, in Deutschland unter Naturschutz und gilt in Deutschland als „gefährdet“. Als ursächlich für die Gefährdung wird vor allem die Eutrophierung der Böden durch Dünger gesehen.

Gentiana verna