Insekten im Allgemeinen und Bienen im Besonderen haben es in und vor allem durch die heutige intensive Landwirtschaft nicht einfach. Lebensraumzerstörung durch Übernutzung und Vergiftung der Flächen machen ihnen das Überleben immens schwer. Irgendwie scheint dieser traurige Umstand nun auch der Europäischen Union zu Ohren gekommen zu sein und ein etwaiges Umdenken in Gang gesetzt zu haben.

So macht die grüne Europaabgeordnete Maria Heubuch (MdEP) derzeit darauf aufmerksam, dass die Europäische Kommission eine „Initiative für bestäubende Insekten“ entwickelt. Grundsätzlich begrüße ich so ein Vorgehen. Allerdings kenne ich auch nicht die wahren Gründe für den plötzlichen Sinneswandel. Ihre Liebe zur Artenvielfalt wird die EU mit Sicherheit nicht auf die Schnelle entdeckt haben. Dennoch hat die Initiative das Potential, die EU-Landwirtschaftspolitik und damit die Pestizidgesetze massiv zu verbessern.

Bis es letztendlich zu einer spürbaren Verbesserung auf der Fläche kommt, ist aber noch ein langes Stück Weg zu gehen. Erst einmal müssen die EU-Kommission und die Politik merken, wie sehr sich die Bürger um die bestäubenden Insekten Sorgen machen. Nur mit genügend Rückhalt aus der Bevölkerung wird die „Initiative für bestäubende Insekten“ die Priorität und Ressourcen erhalten, die ihr auch zustehen. 

Maria Heubuch äußert sich dazu wie folgt: „Der Ausspruch ‚fleißiges Bienchen‘ kommt nicht von ungefähr: Bienen und andere bestäubende Insekten haben einen enormen Einfluss auf das Ökosystem. Sie sind die wichtigsten Arbeitskräfte in der Landwirtschaft. Weltweit sorgen sie mit ihrer Bestäubungsleistung für eine Wertschöpfung von etwa 200 Milliarden Euro pro Jahr. Doch überall verschwinden die Bienen, Schmetterlinge, Nachtfalter, Schwebfliegen und andere bestäubende Insekten.“ 

Der Beitrag des Einzelnen zum Bienenschutz ist klein und kann bequem von der Couch aus erbracht werden. Nehmt euch bitte die ca. 20 Minuten Zeit und klickt euch mal durch die Online-Befragung. Als Entscheidungshilfe hat Maria Heubuch ein paar Antwortvorschläge erarbeitet.

Onlineformular: Bestäuber unterstützen (Bitte klicken). 

 

Antwortmöglichkeiten bzw. -empfehlungen:

Teil I – Allgemeine Informationen zu Ihrer Person

Hier finden sich Fragen zu Ihrem Wohnsitz und dazu, ob Sie als Privatperson teilnehmen

Teil II – Bestäuber und ihre Rolle

Fragen1 + 2: 

Persönliche Fragen dazu, ob sie sich gut zum Thema informiert fühlen und woher sie die Informationen beziehen.

Frage 3: 

Sieben mal „unverzichtbar“. Denn: Bestäuber sind für alle Aspekte schlicht und ergreifend unverzichtbar! Dies liegt etwa daran, dass Insekten rund 80% unserer Nutz- und Wildpflanzen bestäuben und ein Drittel der Nahrungsmittelproduktion direkt von der Bestäubungsleistung abhängig ist. Der wirtschaftliche Wert der Arbeit, die Bienen und andere Bestäuber leisten, wird allein in Europa auf 15 bis 22 Milliarden Euro geschätzt.

Frage 4: 

„Die Kosten sind deutlich geringer als der Nutzen“.

In der EU werden nur einige Millionen Euro pro Jahr in den Schutz der bestäubenden Insekten investiert. Der von ihnen erzeugte Nutzen von 15 Milliarden Euro stellt somit ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis dar. Bereits jetzt zeichnet sich ab, dass sich das Bienensterben negativ auf die Nahrungsmittelproduktion auswirkt (z.B. in Finnland). Daher müssen die Investitionen in den Bestäuberschutz so weit angehoben werden, dass die Insektenpopulationen sich zu erholen beginnen.

Frage 5: 

„Der Beitrag von domestizierten Bestäubern ist wesentlich geringer als der von wilden Bestäubern“.

Zwar gibt es nur wenige endgültige Studien, aber die meisten Schätzungen besagen, dass Wildbestäuber die meiste Bestäubungsleistung erbringen. Einige Studien gehen davon aus, dass Wildbestäuber mehr als 90% der Pflanzen bestäuben.

Teil III – Ursachen und Folgen des Insektensterbens

Frage 6: 

Das derzeitige Insektensterben ist „besorgniserregend„. 

Die Bestände an Bienen, Schmetterlinge und anderen Insekten gehen steil nach unten, und es gibt Hinweise darauf, dass es sogar zum Aussterben kommen könnte! Studien aus Deutschland zeigen, dass es in den letzten 25 Jahren zu einem Insektensterben von 75% gekommen ist.

Frage 7:

Diese Frage ist für Laien schwierig zu beantworten, denn es gibt Tausende von Bestäuberarten und Hunderte von Ursachen für Insektensterben. Hier eine Einschätzung, welche Ursachen am schwersten wiegen:

1. zunehmend intensivierte Landwirtschaft

1.1 Vereinfachung der Agrarlandschaft (z. B. Monokulturen)

äußerst wichtig 

1.2 Verstärkte Nutzung von Wiesenflächen als Weideland oder Mähwiese

äußerst wichtig (aber im Detail wird es kompliziert!)

1.3 Einsatz von Düngemitteln

äußerst wichtig 

1.4 Einsatz von Pestiziden

äußerst wichtig

2. Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen

nicht wichtig (in Osteuropa evtl. etwas wichtiger) 

3. Verstädterung

wichtig 

4. Umweltverschmutzung (einschließlich Lichtverschmutzung)

äußerst wichtig 

5. Invasive nichtheimische Arten

wichtig 

6. Krankheiten (z. B. Pathogene, Parasiten)

wichtig 

7. Klimawandel äußerst

wichtig 

8. andere

wichtig 

* Die Liste der Ursachen ist zwar gut, aber nicht vollständig. Dazu kommt z.B. der fehlende Schutz für Bestäuber (Sie sind z.B. nicht auf der Liste der EU-Habitatrichtlinien, es gibt daher keine Schutzgebiete für sie).

Frage 8: 

(sehr) stark 

Ohne Bestäuber gäbe es weniger Obst und Gemüse, Lebensmittel würden teurer, und ihr könntet euch nicht mehr am Beobachten von Bienen, Schmetterlingen & Co in der Natur erfreuen.

Frage 9: 

(sehr) stark 

Zu bedenken ist, dass das Insektensterben die Nahrungsmittelproduktion teurer macht, die Umwelt schädigt und mit dem Rückgang der Bestäubungsleistungen zukünftige Risiken verbunden sind. Welchen Einfluss könnte dies auf den Ruf, den Umsatz und die Funktionsweise eures Unternehmens haben?

Schwalbenschwanz-Schmetterling

Teil IV – Eindämmung des Insektensterbens

Frage 10: 

„Überhaupt nicht gut“ 

Das Insektensterben ist das Ergebnis einer EU-Agrarpolitik, die auf Wildtiere keine Rücksicht nimmt. Das bei der letzten Reform beschlossene „Greening“ sollte die Artenvielfalt schützen, wurde aber so stark verwässert, dass es kaum Resultate bringt. Die EU hat es versäumt, im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik Mittel für den Schutz der Insekten bereitzustellen. Bienen werden außerdem in der EU-Habitatrichtlinie nicht genannt, und die EU-Biodiversitätsstrategie bringt ihnen nur wenig Nutzen.

Frage 11:

Die Frage bezieht sich auf das Land oder die Region, in der ihr lebt. Zwar gehen die verschiedenen Länder unterschiedlich an das Thema heran, aber nur die Niederlande, Großbritannien, Irland, Frankreich und Norwegen haben nationale Aktionspläne zum Schutz der Bestäuber erarbeitet. Alle anderen Länder gehen „überhaupt nicht gut“ auf das Problem ein. Gleichzeitig hat es kein einziges Land bisher geschafft, das Insektensterben aufzuhalten, geschweige denn es rückgängig zu machen. Daher hat wohl kein europäisches Land eine bessere Note als „nicht gut“ verdient.

Frage 12: 

Die Anstrengungen sollten auf allen Ebenen „sehr stark“ intensiviert werden.

Außer vielleicht in ein paar der wirklich vorbildlichen Kommunen – siehe z.B. die „Bienenfreundlichste Kommune Schleswig-Holsteins“ 

Frage 13: 

Alle aufgeführten Maßnahmen würden Bestäubern helfen. Einige sind dabei in der aktuellen Debatte von besonderer Wichtigkeit,die anderen eignen sich weniger gut für EU-Maßnahmen oder können auch auf anderem Weg erreicht werden.

1. Bewertung und Überwachung des Insektensterben:

äußerst wichtig 

2. Analyse der Bedrohungen für Bestäuber sowie der Folgen des Insektensterbens

äußerst wichtig 

3. Förderung von Innovationen zum Erhalt von Bestäubern

wichtig 

4. Schutz und Wiederherstellung der Lebensräume von Bestäubern in Natura-2000-Gebieten

äußerst wichtig

5. Schutz und Wiederherstellung der Lebensräume von Bestäubern in ländlichen Gegenden außerhalb der Natura-2000-Gebiete

äußerst wichtig 

6. Schutz und Wiederherstellung der Lebensräume von Bestäubern in städtischen Gegenden außerhalb der Natura-2000-Gebiete

äußerst wichtig 

7. Bewertung der Risiken von Pestiziden für Bestäuber

äußerst wichtig 

8. Umsetzung des integrierten Pflanzenschutzes

wichtig

9. Bekämpfung invasiver nichtheimischer Arten

äußerst wichtig 

10. Abschwächung der Auswirkungen des Klimawandels auf Bestäuber

äußerst wichtig 

11. Verringerung der Umweltverschmutzung (einschließlich Lichtverschmutzung)

äußerst wichtig 

12. Schutz der Bestäuber vor Krankheiten

äußerst wichtig 

13. Unterstützung der Anstrengungen des privaten Sektors

wichtig

14. Schaffung von Marktanreizen für bestäuberverträgliche Maßnahmen

wichtig

15. Einbeziehung lokaler Gemeinschaften

wichtig

16. Unterstützung des Wissensaustauschs der Interessenträger

wichtig 

17. Unterstützung der Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten

äußerst wichtig 

18. Unterstützung der Entwicklung lokaler/regionaler/nationaler Strategien

äußerst wichtig 

Teil V – Abschließende Bemerkungen

Hier ein Vorschlag für einen Kommentar, der geschrieben werden könnte, wenn noch Zeit ist:

Die EU sollte dringend und entschlossen handeln, um das Insektensterben einzudämmen und rückgängig zu machen. 

Geeignete Maßnahmen umfassen 1) die Wiederherstellung eines EU-weiten Netzes von Wildblumenhabitaten, 2) der Schutz der Bestäuber muss integraler Bestandteil der EU-Agrarpolitik werden, und 3) die Pestizidgesetze müssen strenger werden, damit negative Auswirkungen auf Bestäuber vermieden werden. 

Damit beurteilt werden kann, ob die EU-Politik zum Schutz der bestäubenden Insekten beiträgt, sollte ein systematisches EU-weites Bestäuber-Monitoring eingerichtet werden.

 

Wer bis hierhin durchgehalten und seine Stimme zum Wohl der Bestäuber ins Rennen geworfen hat, dem gilt mein vollster und aufrichtigster Dank.

Vielen Dank.