Das Artensterben ist mit dem Klimawandel eine der größten Krisen der Menschheit. Wir sind dabei, global rund eine Million Tier- und Pflanzenarten zu verlieren. Allein in Niedersachsen sind etwa die Hälfte unserer 11.000 Tier- und Pflanzenarten gefährdet, 62 Prozent der Wildbienenarten sind im Bestand gefährdet und bundesweit sind 14 Millionen Brutvögel seit 1992 verschwunden.

Bienen, Schmetterlinge, duftende Blumenwiesen und blühende Bäume sind nicht nur schön anzusehen: Artenvielfalt und intakte Ökosysteme sind die Grundlage unseres Lebens und dienen dem Klimaschutz! Wenn wir das Artensterben stoppen wollen, müssen wir bedrohte Tier- und Pflanzenarten auch in Niedersachsen besser schützen. Dies kann nur gelingen, wenn wir eine kleinräumige Kulturlandschaft durch ökologischen Landbau, den Schutz von Hecken, Wegrainen, bunten Wiesen und Weiden erhalten oder wiederherstellen. Das geht nur mit besseren Gesetzen. Das Volksbegehren will deshalb das niedersächsische Naturschutzgesetz sowie das Wasser- und das Waldgesetz ändern. Wir alle profitieren von Artenvielfalt und einer intakten Natur. Damit auch unsere Kinder und Enkel in einer gesunden Umwelt aufwachsen können, müssen wir jetzt handeln!

Der Feldhase ist bundesweit als gefährdet eingestuft. Um Tier- und Pflanzenarten besser zu schützen, braucht es ein besseres Naturschutzgesetz – hierfür setzt sich das Volksbegehren Artenvielfalt.Jetzt! in Niedersachsen ein (Foto: Getty Images, Matauw).

Nach dem mit rund 1,8 Millionen Unterschriften bisher einzigartig erfolgreichen Volksbegehren „Rettet die Biene“ in Bayern, hat ein Initiatorenkreis auch in Niedersachsen ein Voksbegehren zum Schutz der Artenvielfalt auf den Weg gebracht. Zum Initiatorenkreis gehören der Deutsche Berufs- und Erwerbsimkerbund, der NABU und die niedersächsischen GRÜNEN. Inzwischen ist das Bündnis aus Umweltverbänden, Nutzerverbänden, Parteien und anderen Organisationen auf mehr als 100 Bündnis-partner angewachsen – darunter der BUND, WWF, FridaysForFuture, aber auch viele kleinere Unterstützer*innen. „Vielfalt schützen, Zukunft retten“, heißt der Slogan zum Volksbegehren. Die Auf-takt-Pressekonferenz Anfang März in Hannover gab den Startschuss.

Aufgrund der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie und der derzeit notwendigen Einschränkungen im öffentlichen Raum haben die Initiatoren entschieden, den Start des Volksbegehrens zu verschieben – wenn es die Lage zulässt, startet das Unterschriftensammeln nach den Osterferien.

Inhaltlich geht es dabei um vier große Bereiche:

  • Mehr Vielfalt in der Landschaft! Wir brauchen mehr Hecken, Blühflächen, Feldgehölze und Alleen als geschützte Landschaftsbestandteile. Zudem soll künftig fünf Meter entlang der Gewässer nicht gedüngt und nicht gespritzt werden.
  • Weniger Pestizide, mehr Ökolandbau! Der Pestizdeinsatz soll um 40 Prozent verringert werden und in allen Schutzgebieten ist der Pestizideinsatz künftig grundsätzlich verboten. Der Anteil des Ökolandbaus soll auf 20 Prozent steigen.
  • Artenreiches Grünland als Lebensraum schützen! Wegen des dramatischen Rückgangs unserer Wiesenvögel selbst in den Vogelschutzgebieten – die zu ihrem Schutz ausgewiesen wurden – sollen die Brutgebiete künftig zwischen dem 20. März und 15. Juni grundsätzlich nicht mehr bearbeitet werden dürfen (walzen, schleppen, mähen). Außerdem ist ein gerelles Verbot der Umwandlung von Grünland in eine andere Nutzung und ein Umbruchverbot (auch zur Neueinsaat von Grünland) des artenreichen Grünlandes vorgesehen.
  • Naturnaher Wald, mehr Wildnis wagen! Alt- und Totholz sind wichtige Rückzugsräume für Käfer, Pilze und Spechte. Im Landeswald, der immerhin ein Drittel der Waldfläche Niedersachsens ausmacht, soll der Naturschutz Vorrang haben.

62 Prozent aller Wildbienenarten sind im Bestand gefährdet. Um Tier- und Pflanzenarten besser zu schützen, braucht es ein besseres Naturschutzgesetz – hierfür setzt sich das Volksbegehren Artenvielfalt.Jetzt! in Niedersachsen ein (Foto: Florian Lauer).

Selbstverständlich müssen Landwirte für erbrachte Umweltleistungen entlohnt werden. Dazu gehören neue Fördermöglichkeiten und Erschwernisausgleiche. Auf rein freiwilliger Basis ist dies leider gescheitert. Auch die Politik hat bisher alle Warnungen ignoriert, obwohl die Probleme seit über 40 Jahren bekannt sind. Noch können wir unsere Lebensgrundlagen retten: wenn wir jetzt entschieden handeln!

Weitere Informationen gibt‘s im Internet unter artenvielfalt-niedersachsen.jetzt.

Das Volksbegehren: Bürger*innen machen Gesetze Gegenstand eines Volksbegehrens auf Landesebene ist ein Landesgesetz. Um in Niedersachsen Tier- und Pflanzenarten besser zu schützen, will das Volksbegehren deshalb das niedersächsische Naturschutzgesetz sowie das Wasser- und das Waldgesetz ändern. Um erfolgreich zu sein, müssen 10 Prozent der Wahlberechtigten, das sind rund 610.000 Menschen, das Volksbegehren unterschreiben. Ist dieses Ziel erreicht, muss der Niedersächsische Landtag über das Gesetz beschließen und hat die Möglichkeit, das Gesetz anzunehmen – oder es kommt zum Volksentscheid, bei dem alle Wahlberechtigten – wie bei einer Landtagswahl – aufgerufen sind, über das Gesetz abzustimmen.

 

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