Das neue Kalenderjahr ist angebrochen und ich mache genauso weiter wie ich aufgehört habe. Mit Wandern. Bis zum begehrten Harzer Wanderkaiser sind es noch ein paar Stempel und da heißt es, keine Zeit verlieren und nicht nachlassen. Zum Jahresauftakt ging es in die Region um Blankenburg. Dieses kleine Städtchen mit dem markanten Schloss eignet sich sehr gut als Ausgangspunkt für kleinere Wandertouren durch den Harz. Als erste Station des Tages stand die Stempelstelle 77 (Luisenburg) auf dem Programm. Dieser Stempel befindet sich leicht erhöht hinter dem Schloss von Blankenburg und bietet einen schönen Ausblick auf die zu Füßen liegende Landschaft. Der Weg dahin war leicht verschneit und wurde durch die aufgehende Sonne in ein malerisches Licht getaucht. Eine wundervolle Morgenstimmung.

Wanderweg im verschneiten Harz zur Stempelstelle Luisenburg der Harzer Wandernadel.

Wanderweg zur Luisenburg im verschneiten Harz.

Die Luisenburg wurde 1728 als Aussichtsschlösschen für Herzogin Christine Luise errichtet und nach ihr benannt. Es war ein eingeschossiger Fachwerkbau mit einem achteckigen Saal, umgeben von 8 kleinen Zimmern. Wegen Baufälligkeit wurde das Gebäude 1945 abgetragen. Reste der Mauern und Treppen lassen jedoch noch sein Aussehen erahnen. Da es auf dem Aussichtspunkt recht windig war und das Verweilen so keinen richtigen Spaß machen wollte, ging es schnurstracks zur nächsten Station der Tour.

Diese war eine Stempelstelle der Kategorie „nett aber nicht besonders“. Die Otto-Ebert-Brücke (Stempelstelle 79). Die Rübelandbahn, die zum Zeitpunkt ihrer Erbauung die steilste Adhäsionsbahn der Welt war, wurde zwischen 1960 und 1965 elektrifiziert, damit die großen Kalkmengen Rübeländer Kalkwerk abtransportiert werden konnten. Durch den Bau der neuen Trasse wurde allerdings der Verlauf des Herzogweges zerschnitten, so dass die Wanderer teilweise auf eigene Gefahr die Gleise überquerten. Bauleiter bei der damaligen Umgestaltung der Trasse war der Oberingenieur Otto Ebert, selbst Harz- und Wanderfreund. Der Harzklub und die Stadt Blankenburg (Harz), versuchten nach 1990 Fördermittel für den Bau einer Brücke über die Rübelandbahn zu generieren und somit den Herzogsweg in voller Länge wieder begehbar zu machen. Der Oberingenieur Otto Ebert prüfte gemeinsam mit der Stadt Blankenburg (Harz) die Fördermöglichkeiten und wünschte sich zu seinem 70. Geburtstag von seinen geladenen Gästen statt Geschenken, eine Spende für die Brücke am Herzogsweg. Der Eigenanteil für die beantragten Fördermittel kam auf diese Weise zusammen und die Brücke wurde nach Otto Ebert benannt.

Die Otto-Ebert-Brücke bei Blankenburg (Stempelstelle 79).

Zu guter Letzt folgte eine etwas längere Strecke zu Fuß. Die heutige dritte und letzte Stempelstelle befand sich in der Nähe des kleinen und verloren wirkenden Örtchens Eggeröder Brunnen. Ich hätte an dieser Stelle niemals eine Siedlung vermutet. Der Weg führte, ausgehend von der Ortschaft, leicht bergab und nach knapp 1,3 km wanderte am Volkmarskeller (Stempelstelle 87) der insgesamt 103. Stempel in mein Wanderheft. Der Volkmarskeller ist eine Karsthöhle und befindet sich westlich von Blankenburg oberhalb des Klostergrundes, ca. 4 km von Kloster Michaelstein HWN 59 entfernt.

Es wird eine Besiedelung der Höhle durch einen Einsiedler namens Volkmar im Jahre 950 vermutet. Seine Anhänger, die Volkmarsbrüder, taten sich später mit den Zisterziensern zusammen, die sich 1098 vom Benediktinerorder abgespalten hatten. Diese Zisterzienser waren es, die im 12. Jahrhundert genau über der Höhle ein kleines Kloster erbauten, das sie nach ihrem Schutzheiligen „Michaelstein“ nannten. In diese Zeit fällt auch die Umgestaltung der Höhle zu einer Höhlenkirche. Wenige Zeit später wurde das Kloster jedoch an seine heutige Stelle an den Anfang des Klostergrunds verlegt. 1884-87 wurde die Höhle von Baurat Brinkmann ausgegraben. Die Höhle war inzwischen schon wiederso aufgefüllt, dass sie nur noch kriechend begangen werden konnte. An den Wänden fand sich noch alter Mörtelputz und vor einem gemauerten Altarsockel fand man die Skelette von 3 Erwachsenen und 3 Kindern. Am Südeingang erinnern noch 2 eingehauene Weihekreuze und eine in den Felsen gehauene Nische an die einstige sakrale Funktion.

Der Volkmarskeller ist die Stempelstelle 87 der Harzer Wandernadel.