Stefanie Weigelmeier
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von Stefanie Weigelmeier. –

Auf den Wunsch einiger werde ich in diesem Artikel einige Literaturempfehlungen geben, die hilfreich sein können, wenn du dich tiefer mit dem Lesen von Tierspuren beschäftigen möchtest.

Joscha Grolms: Tierspuren Europas

Beginnen möchte ich mit dem aktuell umfangreichsten Buch dazu von Joscha Grolms: Tierspuren Europas, das 2021 im Ulmer Verlag erschienen ist. Behandelt werden v.a. Säugetiere und Vögel mit einem kleinen Exkurs jeweils zu Amphibien und Reptilien und zu den Insekten und anderen Wirbellosen: knapp 50 Säugetiere auf Artniveau, weitere 15 auf Gattungs- oder Familien-Niveau, sowie etwa 45 Vogelarten und Gattungen werden durch einen kurzen Steckbrief mit Infos zu Biologie, Lebensraum, zu Ernährung, Fortpflanzung und Verhalten vorgestellt. Schwerpunktmäßig wird erklärt, wie eine Spur entsteht und welche Merkmale sie trägt.

Joscha Grolms steckt seit 2012 tief in der Materie des Spurenlesens. Es macht Freude, seine Texte zu lesen. Angereichert mit einprägsamen Fährtenerlebnissen gelingt es ihm die Kunst des Fährtenlesens anschaulich zu vermitteln. Er teilt dazu detaillierte Photos und prägnante Zeichnungen, die er mit der Tusche-Punkt-Technik für jede Spur angefertigt hat. Chapeau!

Das Hardcover-Buch ist sehr wertig gestaltet, Verarbeitung, Satz und Druck lassen keine Wünsche offen. Der farbige Schnitt erleichtert die Orientierung. Mit knapp 2,5 kg ist das kein Buch, das sich für unterwegs eignet.

Joscha Grolms (2021): Tierspuren Europas – Spuren und Zeichen bestimmen und interpretieren. – Gebunden, Eugen Ulmer Verlag; 1.122 Farbfotos; 502 sw-Zeichnungen; ISBN 978-3-8186-0090-7; 816 S.; 69,95 Euro.
Joscha Grolms: Tierspuren Europas

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Eckhard Grimmberger: Die Säugetiere Mitteleuropas

Dieses Buch ist das Nachschlagewerk für Säugetiere und damit eine gute Vertiefung zum vorgenannten Buch. Grimmberger bespricht 141 Arten, die in Mitteleuropa vorkommen, zusätzlich Irrgäste, aus Haltung oder Zucht entkommene Exoten und einige Haustierrassen, die in der Landschaftspflege eingesetzt werden.
Jeder Tierart werden mehrere Seiten gewidmet, auf denen die Tierart biologisch eingeordnet und beschrieben wird. Als Ergänzung werden Lebensraumansprüche erläutert und der aktuelle Schutzstatus angegeben. Detaillierte Photos und eine Verbreitungskarte runden das ganze ab.

Das Buch beinhaltet in der neuen aktualisierten Auflage eine Bestimmungshilfe nach äußeren Merkmalen, ähnliche Tiere werden dabei gut voneinander abgesetzt. Im Anhang finden sich darüber hinaus gute Übersichten: die Hinterfüße von Insektenfressern und Nagetieren, sowie Schädel und Zähne.

Eckhard Grimmberger (2017): Die Säugetiere Mitteleuropas. Beobachten und Bestimmen. – gebunden, Quelle-Meyer-Verlag; 696 S., über 1300 Abbildungen, 12 x 19 cm; ISBN 978-3-494-01645-0 – € 29,95.
Eckhard Grimmberger: Die Säugetiere Mitteleuropas

Natürlich verlieren Verbreitungskarten schnell an Aktualität. So ist in der Zwischenzeit der Goldschakal (Canis aureus) nicht nur zu Gast. Grimmberger spricht noch von mindestens zehn gesichteten Nachweisen in der Zeit von 2000 bis 2016 in Nord- und Mitteldeutschland. Im November 2021 teile das Land Baden-Württemberg die für Deutschland erste nachgewiesene Reproduktion der Tierart mit. Link

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Christina Sonvilla: Europas kleine Tiger. Das geheime Leben der Wildkatze.

Von einigen Tierarten gibt es gute Monographien. Christina Sonvilla hat sich der Wildkatze (Felis silvestris) im Stil des Nature writing genähert.
Die Wildkatze ist eigentlich das ideale Tier, um Menschen für Natur zu begeistern. Sie ist die Mitläuferin neben Wolf, Bär, Luchs und Goldschakal, aber sie fällt dabei nicht „unangenehm“ (aus antropozentrischer Sicht!) auf. Es gibt keine Konflikte mit der Jagd oder Nutztierhaltern, sie sieht nett aus und es gibt praktisch keine Zoonosen.
Die Kehrseite: es gibt wenig Fördermittel, die Tierart zu erforschen.
Dafür eignet sich die Wildkatze ideal als Citizen-Science-Projekt.

Sonvilla schreibt aus österreichischer Sicht, die sich in Bezug auf die Wildkatze nicht allzu sehr unterscheidet. Aus ihrer Sicht ist Deutschland ein Eldorado für Wildkatzenforschung. Es tut an dieser Stelle gut, auch mal eine positive Außenansicht zu lesen.

Der Schreibstil ist frisch und vermittelt lebendig Anforderungen, Möglichkeiten und Grenzen der Wildkatzen-Forschung.

Christine Sonvilla (2021): Europas kleine Tiger. Das geheime Leben der Wildkatze. – Residenz-Verlag; 256 S.; Innenteil mit Photos auf Hochglanzpapier; ISBN 978-3701735235 – 22 €.
Christina Sonvilla: Europas kleine Tiger. Das geheime Leben der Wildkatze.

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Andreas Wenger: Avibus – Ornithologische Informationen für Spurensuchende

Für die befiederten Mitbewohner möchte ich Avibus vorstellen. Dieses Format hat Jörn Kaufhold in Zusammenarbeit mit Andreas Wenger erarbeitet.

Sie nennen es Lern-Nuggets und vom letzten Jahr gibt es schon zwölf und dieses Jahr ein Abo für vier weitere.
Was ist ein Lern-Nugget? Der Begriff stammt aus dem Bereich des Mikrolernens. Lern-Nuggets sind kurze Lerneinheiten, die Wissen zu bestimmten Themen vermitteln. In diesem Fall handelt es sich um ca. 10 Seiten intensiv recherchierten Textes mit Fotos und Grafiken.

Was sind die Inhalte? Alle Inhalte stammen aus der Schnittfläche zwischen Ornithologie und Fährtenkunde. Themen können unter anderem sein: Bestimmungshilfen für einzelne Arten, Vergleiche ausgewählter Vogelfamilien, Spuren und Zeichen jenseits von Trittsiegeln, Beobachtungstipps und vieles mehr.

Auf der Homepage ist der „Bussard im Schnee“ als Test verfügbar, darauf folgt – so viel möchte ich verraten, ein Portrait des Grünspechtes. Allerweltsvogel, meinst du? Nun, gerade dann lohnt es sich, genauer hinzuschauen. Was hat es mit der Zigarre auf sich und wo hat der Specht seine Hand?, das sind Fragen, denen Andreas Wenger in den Lern-Nuggets auf den Grund geht.

Hier geht’s zu bewandert. https://shop.bewandert.eu/?product=abo-2022-4-ausgaben

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Cloé Fraigneau: Feathers. An identification guide to the feathers of western european birds.

Nahliegender sind bei Vögeln ja dann doch die Federn. Mit ein wenig Übung und anatomischen Kenntnissen lassen sich gefundene Federn nicht nur der Stelle am Körper eines Tieres zuordnen, sondern auch die Art damit bestimmen.

Das Buch von Cloé Fraigneau ist im französischen Original bereits 2017 erschienen und liegt nun in englischer Übersetzung vor. Die Autoin deckt mit diesem Bestimmungsbuch mehr als 400 europäische Vogelarten ab. Dazu hat sie einen Schlüssel entwickelt, mit dem die Bestimmung über die Farbe, aber auch über Form und Struktur erfolgen kann.

Das Buch ist ein großformatiges Hardcover und kommt damit dem Inhalt, bzw. den Maßen der meisten Federn sehr entgegen.

Cloé Fraigneau (2021): Feathers. An identification guide to the feathers of western european birds. – Bloomsbury Publishing; 28,5 x 19,5 cm; ISBN 978-1472971722 – ca. 70 €.
Cloé Fraigneau: Feathers. An identification guide to the feathers of western european birds.