Es gibt Pflanzen, die machen optisch nicht besonders viel her. Sie transportieren ihre Schönheit auf den zweiten Blick und auf ihre ganz eigene Weise. Eine solche Art ist die Pfeil- oder auch Herzkresse (Lepidium draba). Diese Art ist mir neulich auf meinem abendlichen Spaziergang aufgefallen und soll an dieser etwas näher vorgestellt werden. Die Pfeilkresse wächst als ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 30 bis 60 cm. Sie besitzt eine Pfahlwurzel und ein ausgedehntes, weit verzweigtes System von Rhizomen, die an den Knoten Knospen entwickeln, aus denen zahlreiche herdenbildende Luftsprosse treiben. Die Stängel sind meist aufrecht, kräftig, am Grund mehr oder weniger dicht und anliegend grauhaarig, oberwärts kahl und im Blütenstandsbereich verzweigt.

Lepidium draba

Die Grundblätter von Lepidium draba sind kurz gestielt, 1,5 bis 10 cm lang sowie 1 bis 4 cm breit, verkehrt-eiförmig, spatelig oder eiförmig, buchtig gelappt, unregelmäßig gezähnt bis ganzrandig und ebenfalls mehr oder weniger dicht grauhaarig. Sie sind zur Blütezeit meist vertrocknet. Auf den eingebundenen Bildern ist gerade die Übergangszeit zu sehen. Die wechselständigen Stängelblätter sind zahlreich, wechselständig, sitzend, stängelumfassend mit herz- oder pfeilförmigem Grund, 1 bis 9 (bis 15) cm lang sowie 0,5 bis 2 (bis 5) cm breit und behaart oder kahl. Sie besitzen eine lineal-längliche, lanzettliche, eiförmige oder verkehrt-eiförmige Form.

Lepidium draba ist ein ausdauernder Hemikryptophyt und Wurzelknospengeophyt. Sie ist ein Wurzelkriechpionier und ein Tiefwurzler. Ihre Blüten sind unscheinbare, weiße, vorweibliche „Nektar führende Scheibenblumen“. Die Bestäubung erfolgt durch Fliegen; aber auch Selbstbestäubung findet statt, indem sich die Staubblätter vor dem Aufblühen zur Narbe hin krümmen. Blütezeit ist von Mai bis Juli. Die Früchte sind zweisamige Schötchen, die bei der Reife nicht aufspringen, sondern zerfallen. Sie breiten sich als Körnchenflieger durch den Wind aus. Die starke Ausbreitung entlang von Bahngleisen soll darauf zurückzuführen sein, dass die Früchte vom Luftzug der Züge mitgerissen werden. Allerdings ist der Samenansatz meist sehr gering. Die Samen sind Lichtkeimer. Vegetative Vermehrung erfolgt reichlich durch Wurzelsprosse. Daher stehen die Pflanzen oft in großen Herden zusammen. Unter günstigen Bedingungen können die Bestände pro Jahr einen Zuwachs von über 3 Quadratmetern erreichen. Die vegetative Ausbreitung wird auch stark durch den Menschen gefördert, indem er Spross- und Wurzelstücke verschleppt.

Lepidium draba

Als ursprüngliche Heimat von Lepidium draba werden das Mittelmeergebiet, das südliche Osteuropa, Vorderasien und Zentralasien angesehen. Von dort aus ist die Pfeilkresse als invasiver Neophyt nach Mittel- und Westeuropa sowie nach Nordamerika (Kanada, USA, Mexiko), Südamerika (Argentinien, Chile), Süd-Asien (Nord-Indien, Saudi-Arabien), Südafrika, Australien und Neuseeland verschleppt worden. Zumindest in Sachsen-Anhalt wird diese Art nicht als invasiver Neophyt geführt oder ich habe sie in der Datenbank von KORINA übersehen, Auch möglich.  Lepidium draba wächst an Wegrändern, auf Bahndämmen, in Hafenanlagen und auf Schutthalden, aber auch auf lehmigen Äckern und in Weinbergen. Sie bevorzugt sommerwarmes und niederschlagsarmes Klima und nährstoff- und basenreiche, meist humusarme Böden.

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