Stefanie Weigelmeier
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von Stefanie Weigelmeier –

In ihrem Buch „Der Baumsammler“ stellt Kathrin Blum in 24 Portraits Bäume und Gehölze unserer Landschaft vor.

Die Autorin erzählt nicht nur allerhand wissenswertes zu den Arten, sondern verweist mit zahlreichen eingeflochtenen literarischen Zitaten auf die Verankerung der Bäume im Märchen- und Mythenschatz und offenbart den Leser*Innen damit ihre tiefe Verwurzelung in der Wildnispädagogik.

Kathrin Blum liefert zu jeder vorgestellten Baumart einen Steckbrief und die Möglichkeit, eigene Beobachtungen zu notieren. Sie lädt mit freundlichen Fragen dazu ein, die Baumarten in der eigenen Umgebung zu verorten und sich ökologisch wie assoziativ mit ihnen zu verbinden.

Welche Vögel halten sich in der Schwarz-Erle auf und wie fühlen sich Lärchennadeln an?, das sind nur zwei ihrer Fragen, die mir nun durch den Kopf geistern.

Nun möchte ich zwar von mir glauben, ich wüsste viel um die Bäume meiner Gegend, kenne die Standorte einiger alter, dicker, seltener, besonderer… Exemplare und ich stelle nun fest, dass ich da viel auf Superlativen gebe. Aber ich habe mich bisher noch nie gefragt, wo die meinem Wohnort nächste Feld-Ulme steht? Oder, weniger speziell, die nächste Eiche?
Die nächste Ross-Kastanie steht zwanzig Zentimeter neben der Fußmatte, ist knapp 15 cm hoch und hat zwei Blattpaare, sie stammt von unserem Hausbaum. Der nächste Holunder steht an der Hausecke und dann kommen auch schon eine Hängebirke (BHD 18), eine Fichte (BHD 41) und etwas weiter die 30-jährige Blutbuche beim Nachbarn.

So ziehe ich nun meine Kreise um meinen Wohnort und suche die mir am nächsten stehenden Exemplare jeder Art. Ein ganz neues Kartier-Erlebnis… (-;

Der Text macht Lust weiterzulesen!

Die Bilder stammen von der Illustratorin Fides Velten. Es gibt jeweils eine Komplett-Ansicht eines jeden Baumes, sowie Detailzeichnungen von Blättern, Knospen, Blüten und Früchten. Letztere sind mit sehr viel Liebe zum Detail gezeichnet, bei den Komplett-Ansichten tat ich mir manchmal schwer, das arttypische zu erkennen, insbesondere in Bezug auf die Wurzeln.

Das Buch ist – kurz gesagt – für alle, die Bäume mögen. Es ist keine dendrologische Bestimmungslitaratur(, dafür greife mensch zum Schulz). Es ist sicherlich auch ein gutes Geschenk für naturbegeisterte Menschen und solche, die auf dem Wege dahin sind.

Optisch und haptisch kommt das Büchlein sehr bibliophil daher: ein Buchrücken mit lindgrünem Leinen und farblich passendem Lesebändchen, der Titel ist auf dem Buchdeckel eingeprägt. Ein Gummiband verleiht ihm den Charakter einer Kladde und impliziert mir direkt, dass hiermit wirklich gesammelt werden soll, weder lose Blätter noch zum Pressen eingelegte Baumblätter würden verloren gehen. So wird das Buch nun also erst zum Baumsammler werden.

Das Werk ist im rowohlt-Verlag erschienen, umfasst 191 Seiten und ist klima-neutral gedruckt.

ISBN 978-3-498-00191-9 – für 20 € und am besten im örtlichen Buchhandel kaufen.

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