Martin Reich
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Wie schon mein erster Beitrag auf diesem wunderbaren Blog richtet sich auch dieser hier an alle Naturfreunde, die auch Brett- und Kartenspiele mögen oder gerne einmal ausprobieren möchten. Spielen ist ein wunderbarer Weg, um sich unverkrampft mit Themen auseinanderzusetzen. Natürlich geht es vorrangig immer noch darum, Spaß zu haben. Aber warum dabei nicht auch das ein oder andere lernen? Ich habe für diesen Beitrag einige Spiele aus meiner Sammlung ausgewählt, in denen es um Artenvielfalt geht. Manchmal dienen die unterschiedlichen Pflanzen- und Tierarten vor allem der Illustration eines Spielmechanismus. Einige Spieleautorinnen und -autoren gehen jedoch weiter und nutzen nicht nur das Äußerliche unterschiedlicher Arten, sondern auch deren Eigenschaften für ihre Spielmechanismen.

Ich freue mich, wenn ihr hier reinlest und vielleicht das ein oder andere Spiel selbst einmal probiert und davon berichtet (hier als Kommentar oder drüben auf Twitter). Da ich sicherlich auch nicht alle Spiele kenne, in denen Artenvielfalt eine Rolle spielt, freue ich mich über Hinweise von euch auf weitere (mein Geldbeutel natürlich weniger).

Flügelschlag

Vogelliebhaberinnen und -liebhaber kommen hier voll auf ihre Kosten. Vorausgesetzt sie sind bereit, sich die etwas komplexeren und nicht immer intuitiven Regeln anzueignen. Denn Flügelschlag ist ein sogenanntes Kennerspiel (und hat auch in dieser Kategorie die begehrte Auszeichnung „Spiel des Jahres 2019“ bekommen). Für eingefleischte Brettspieler macht es das noch lange nicht zu einem Schwergewicht an Komplexität, aber Einsteiger sollten schon etwas Geduld mitbringen. Zum Glück muss ja heute niemand mehr Regeln lesen, es gibt so viele großartige Erklärvideos.
In Flügelschlag sammelt man auf die verschiedensten Arten Punkte: Man sammelt Vogelarten (170 an der Zahl! Jede Karte zeigt eine andere Vogelart aus Nordamerika. Inzwischen gibt es auch ein Erweiterungsset mit europäischen Arten), das passende Futter, lässt die Vögel Eier legen oder andere Vögel fressen. Zusätzlich gibt es in jeder Runde auch noch Punkte für Erreichung von Zielen, z.B. für Eier in einer bestimmten Art von Nest. Dabei sollte alles möglichst gut ineinandergreifen, um viele Punkte zu sammeln. Denn bei Flügelschlag handelt es sich um einen sogenannten „Engine Builder“: Jeder baut sich im übertragenen Sinne einen eigenen „Motor“ aus Mechanismen und generiert so mehr oder weniger viele Punkte. Also wenn ich zum Beispiel viele Eier produziere macht es Sinn, wenn ich diese durch eine andere Karte gewinnbringend in Punkte umwandeln kann. So spielt bei Flügelschlag jeder eher für sich, Interaktion gibt es nicht allzu viel (abgesehen davon, dass man um Ressourcen konkurriert und dieselben Ziele erreichen will). Aber tatsächlich passt das Spielgefühl sehr gut zum Thema: In Ruhe Vögel beobachten, wie sie Nahrung sammeln, Eier legen oder sich ab und zu auch mal gegenseitig fressen. Und dabei kann man etwas über die Eigenheiten verschiedener Arten lernen. Die Karten sind sehr schön illustriert und jede hat einen kurzen Infotext über die abgebildete Vogelart.

Das Spiel „Flügelschlag“ bringt die Avifauna näher (Foto: Martin Reich).

Piepmatz

Piepmatz ist ein kleines Kartenspiel, bei dem sich verschiedene einheimische Vogelarten an einem Futterhaus tummeln. Die Spieler sammeln diese Vogelarten und versuchen Pärchen zu bilden. Außerdem werden auch die Körner am Futterhaus gesammelt, denn sie geben bei Spielende ebenfalls Punkte. Doch der Andrang am Futterhaus ist groß und der Platz begrenzt. Und dann gibt es da auch noch Krähen und Eichhörnchen, die Vögel vertreiben und Futter klauen! Wer gerne mal ein Spiel mit Vögeln spielen möchte, sich aber nicht an die Komplexität und Spieldauer von Flügelschlag herantraut, hat mit Piepmatz eine nette Alternative. Muss sich aber auch mit viiieeel weniger Vogelarten zufriedengeben. Die Illustrationen sind jedoch ebenfalls sehr gelungen. Die bei Flügelschlag sehen aus wie aus einem Naturführer, die bei Piepmatz eher so wie in einem Naturkalender bei Oma und Opa.

„Piepmatz“ kommt in einer minimalistischen Aufmachung daher und begeistert (Foto: Martin Reich).

Fungi

Der Geruch nach frischer Erde, durch Blätter fallendes Sonnenlicht, knisterndes Laub unter den Sohlen. Alle diese Assoziationen habe ich jedes Mal, wenn ich Fungi spiele. Auch hierbei handelt es sich um ein kleines Spiel, das ausschließlich aus Karten besteht. Bei Fungi geht man zu zweit im Wald Pilze suchen. Diese bereitet dann jeder für sich in Pfannen zu und bekommt dafür mehr oder weniger viele Punkte je nachdem, wie selten bzw. schmackhaft eine bestimmte Art Pilz ist. Etwas Butter und Cidre verfeinern die Pilzpfanne und bringen Extrapunkte. Doch ganz so einfach ist das alles dann doch nicht. Denn nicht immer kommt man zur richtigen Zeit am richtigen Pilz vorbei, oft schnappt einem die Mitspielerin einen Pilz weg und man kann auch nicht unbegrenzt viele Pilze tragen. Und dann gibt es da auch noch die Fliegenpilze und Nachtkarten, aber ich will nicht zu viel verraten. Die Karten sind wunderschön illustriert und man hat die Chance, die lateinischen Namen von Pilzen zu lernen (wenn man sich diese merken kann…). Die Regeln von Fungi sind schnell gelernt und noch etwas einfacher als z.B. bei Piepmatz (finde ich zumindest).

„Fungi“ ist ein Kartenspiel, welches Assoziationen weckt und einen Waldspaziergang vor den Augen lebendig werden lässt (Foto: Martin Reich).

Darwin´s Choice

Wiederum etwas komplexer ist Darwin´s Choice, bei dem es um die verspielte Vermittlung von evolutionären Mechanismen geht. Man baut die unterschiedlichsten ausgestorbenen und noch existierenden Tierarten aus Körperteilen zusammen. Aber nicht etwa so, wie sie wirklich aussahen, das wäre ja langweilig. Stattdessen lassen wir die Evolution quasi erneut ablaufen und können Fischköpfe auf Elefantenkörper setzen und mit Flügeln ausstatten. Je nach Eigenschaften sind diese Patchwork-Tiere dann in unterschiedlichen Ökosystemen mehr oder weniger erfolgreich. Auf Spiele, die sich mit Evolution beschäftigen, will ich in einem zukünftigen Beitrag irgendwann einmal genauer eingehen, da gibt es nämlich noch mehr. Bei Darwin´s Choice spielt aber eben auch die Artenvielfalt eine große Rolle, vor allem, wenn man sich auch die dazu passende Enzyklopädie leistet. Ich habe das Projekt auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter unterstützt und deshalb gleich das Gesamtpaket aus Grundspiel, Erweiterung und Enzyklopädie bekommen. Darin sind alle Tierarten aus dem Spiel mit Illustrationen und Texten beschrieben, was mir große Freude macht.

Die Evolution ist keine einfache Sache. Ähnlich komplex ist „Darwin’s Choice“, was dem Spielspaß aber nicht mindert (Foto: Martin Reich).

Arboretum

Auch ein Spiel mit Baumarten gibt es: Arboretum. Wie bei Piepmatz und Fungi nur Karten im Spiel und wieder geht es darum, geschickt die meisten Punkte zu sammeln. Viel mehr kann ich zu Arboretum gar nicht sagen, denn es befindet sich (welch Schande) noch nicht in meiner Sammlung. Hier gibt es aber ein gutes Video zum Spiel: https://www.youtube.com/watch?v=RL9NfXs_-C8 (und ein wie immer sehr lustiges auf Englisch von Tom Vasel gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=A0QtPC1C91g). Ein Wunsch an all die tollen Spieleautoren und -autorinnen da draußen: vielleicht gibt es ja bald auch einmal ein Spiel mit Pflanzenarten 😊?

Ecogon

Auch bei Ecogon, das ich in meinem letzten Beitrag auf diesem Blog ausführlich beschrieben habe, spielen Tier- und Pflanzenarten eine große Rolle. Im Gegensatz zu allen oben beschriebenen Spielen arbeiten die Spieler bei Ecogon zusammen und bauen aus verschiedenen Arten und Landschaften ein Ökosystem zusammen. Dabei kommt Ecogon wie ein zum Spiel gewordener Naturführer daher. Durch den relativ einfachen und kooperativen Spielmechanismus ist es auch für Kinder besonders gut geeignet. Man lernt, welches Tier welche Pflanze (oder welches andere Tier) frisst, welche Pflanze wo wächst und, durch Ereigniskarten, welche Einflüsse wir Menschen auf Ökosysteme haben.

War´s das?

Erstmal ja. Aber bestimmt gibt es noch einige andere Spiele, in denen die Artenvielfalt unserer wunderbaren Natur eine Rolle spielt. Wenn ihr welche kennt, lasst mir gerne ein Kommentar da! Ich bin überzeugt, dass es in Zukunft noch weitere Spiele mit diesem Thema geben wird. Denn die Fasziniation für Biodiversität und die Sehnsucht nach Natur spielen in unserer immer urbaneren Lebenswelt eine große Rolle, zumindest geht es mir so. Gleichzeitig will man mehr lernen, über die unglaubliche Formen-, Farben- und Verhaltensvielfalt, die unser Planet zu bieten hat. Denn diese Vielfalt ist nicht nur von einem natur-romantischen Standpunkt aus unbedingt schützenswert: Sie stellt auch eine unschätzbar wichtigte Ressource biologischen Wissens dar, aus der wir noch viel lernen können. Und für Spieleauto*innen bietet das Thema einfach sehr viele Möglichkeiten für Spielmechanismen und natürlich für schöne Illustrationen.

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