Stefanie Weigelmeier
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von Stefanie Weigelmeier. –

Im Oberfränkischen Landkreis Forchheim liegt, zu Gräfenberg gehörend, die Ortschaft Kasberg.
Gelegen in der Südlichen Fränkischen Schweiz auf der Jurahochfläche hat man von dort einen guten Blick ins Umland und daher mag auch der althochdeutsche Name des Ortes herrühren, „Platz, von dem aus man eine gute Sicht hat“.
Südwestlich, in etwa 2km Entfernung schlängelt sich die Schwabach durchs Land. Um das Jahr 1359 bildete der Fluß die Grenze des alten bayrischen Nordgaus zum fränkischen Radenzgau. Und wie in der Neuzeit die Atomkraftwerke setzte man in dieser Zeit Gerichtsplätze gerne an die Randlagen der Herrschaftsgebiete. Im Jahr 1359 also wurde der Kasberger Gerichtsplatz vom Bamberger Bischof Lupold von Bebenburg als zum Landgericht der Grafschaft Sulzbach in der Oberpfalz gehörig anerkannt. Damit ist die historische Existenz eines Gerichtsplatzes in Kasberg belegt.

Neben diesen belegten Ereignissen ranken sich nun viele Überlieferungen und Geschichten, von Kunigunde zu Luxemburg, die 1014 zur Kaiserin gekrönt wurde oder den Revolutionskriegen und den Napoleonischen Kriegen Ende des 18. Jahrhunderts. Darüber und über Spekulationen zum Alter und den Umständen der Pflanzung der Linde möchte und kann ich nicht viel schreiben, bei Interesse findet sich im Wikipedia-Artikel Ausführlicheres dazu.

Die Linden in Kasberg

In Kasberg nun stehen heute am westlichen Ortsrand zwei alte Sommer-Linden. Ein schöner Großbaum, dessen unbeeinträchtigte Kronenarchitektur erst im unbelaubten Zustand so richtig sichtbar wird. Daneben, galant geschwungen und trotz der massiven Ausladung irgendwie federleicht wirkend, das abgestützte Stammfragment der Kasberger Linde.
Genau genommen stehen hier sogar drei Sommer-Linden, eine wohl sehr alte, eine mit vielleicht 130 Jahren eigentlich eher noch junge, und eine wirklich noch junge Linde etwa Ü30. Denken wir aber weiter museal über Bäume nach, treten die Junge und die noch nicht-so-alte Linde in den Hintergrund und übrig bleibt – die Kasberger-Linde.

Die Kasberger Linden von links nach rechts: mittel-alt, Ü30 und DIE Kasberger Linde © S. Weigelmeier

LPV Forchheim fördert Baum-Erhalt

Um diesen Baum soll es hier gehen, respektive um die Pflegemaßnahme, die ihr zuliebe im Sommer 2021 dort stattgefunden hat.
Nachdem der Baum zuerst im Jahr 1913 und dann wieder 1976 gestützt und nach damaligem Wissen behandelt wurde, hat sich in der Zwischenzeit aber der Schwerpunkt des Stammfragmentes verlagert und dadurch haben sich zwei der in die Jahre gekommenen Stützen bedenklich geneigt. Die alten Metallstützen waren teilweise in Stamm und Hauptast eingewachsen und erfüllten ihre Funktion nicht mehr.
Auf Anregung der UNB und eines Naturschutzwächters hat daher der Landschaftspflegeverband Forchheim e.V. (LPV), vertreten durch Andreas Niedling, eine Sanierung beantragt und durch die Regierung Oberfranken bewilligt bekommen. Die Arbeiten wurden mit regionaler Kompetenz durchgeführt: technische Planung, Metallverarbeitung und Baumpflegefirma kamen aus der Region.
Im Gegensatz zu den unflexiblen Stützen wird der Hauptast jetzt über ein Dreibein aus Metall beweglich aufgehängt, so dass künftige Änderungen der Massen und Schwerpunkte besser ausgeglichen werden können und auch der Baum selbst durch Wachstum besser reagieren kann.

Die Maßnahme kostete knapp 20.000 Euro und wurde mit 70% aus staatlichen Mitteln über die Regierung gefördert.

Die typische Käfer-Fauna ist auch an Bord

Speziell ist die Kasberger Linde nicht nur dendrologisch, auch naturschutzfachlich wartet der Standort mit Highlights auf. Der Entomologe Dr. Jürgen Schmidl von der Uni Erlangen-Nürnberg hat den Baum untersucht und die in solch einem einzelnen Methusalembaum zu erwartende Lebensgemeinschaft der Mulmbesiedler sehr artenreich vorgefunden: verschiedene Vertreter der Familie der Pflanzenkäfer, allesamt ohne deutschen Namen (Allecula morio, Mycetochara linearis und Prionychus ater), die im Mulm in den Höhlen alter Bäume leben; oder der Kupfer-Rosenkäfer (Protaetia cuprea), der nach der Bundesartenschutzverordnung geschützt ist und dessen Larven sich in Ameisennestern entwickeln und Mulm fressen; und auch Lasius fuliginosus, die Glänzendschwarze Holzameise, die nicht nur nach Citrus riecht, sondern auch Pilze anbaut, mit denen sie die Wände ihres Nestes verstärkt.

Kasberg – auch in Zukunft ein Baumstandort

Weitblick hat man in Kasberg bewiesen als bereits vor 1900 eine würdige Nachfolgerin gepflanzt wurde. Durch Pflege und Nachpflanzung wird dieser Baumstandort erhalten. Die 30-Jährige reiht sich hier ein. Beide Alt-Bäume sind seit 1976 im Landkreis als Naturdenkmale geführt (§28 BNatSchG). Dank der Weitsicht der Kasberger_Innen kann es gut sein, dass der Titel „Kasberger Linde“ weitergereicht wird und auch die anderen beiden nochmal in den Genuss kommen. Hoffentlich aber erst in ferner Zukunft.