Ein paar Vertreter der Gattung Ophrys (Ragwurze) habe ich euch ja schon vorgestellt. Heute gesellt sich eine weitere Vertreterin dieser Gattung dazu. Die Bienen-Ragwurz (Ophrys apifera) ist die wohl häufigste Ragwurz-Orchidee und im Gegensatz zu den anderen noch nicht auf der Roten Liste der gefährdeten Gefäßpflanzen Sachsen-Anhalts zu finden. Hoffen wir, dass es noch eine Weile so bleibt. Wie der Name schon sagt, imittiert diese Orchidee mit ihren Blütenblättern eine sitzende Biene und versucht auf diese Weise Bestäuber anzulocken. Dieses pfiffige Verhalten sorgt für eine äußerst große Beliebtheit bei Orchideen- und Pflazenfreunden.

Ophrys apifera ist ein ausdauernder, krautig wachsender Knollengeophyt, der Wuchshöhen von 20 bis 50 cm erreicht. Zwei bis vier Laubblätter sind in einer Rosette angeordnet und 6 bis 13 cm lang. Die Grundfarbe der Blätter ist grün mit silbrigem „Schimmer“. Die Blattrosette treibt bereits im frühen Herbst aus.

Die Blütenstände sind lockerblütige Ähren mit drei bis zehn Blüten. Die Kelchblätter sind hell bis kräftig rosa gefärbt und bei vollständig geöffneter Blüte meist weit zurückgeschlagen. Die Kronblätter sind grün bis rosa, oft behaart und 3 bis 8 mm lang. Die Lippe ist ausgebreitet dreilappig und 10 bis 15 mm lang. Die Mittellappen sind dunkelbraun, das Basalfeld ist hellbraun und bilden die Eingangs erwähnte Biene. Das Mal ist gräulichblau mit hellem Rand, umgreift das Basalfeld mehr oder weniger. Das Anhängsel ist sehr groß, von vorn aber in der Regel nicht sichtbar, da sich der Rand des Mittellappens nach hinten umschlägt. Die Seitenlappen besitzen große, behaarte Höcker.

Ophrys apifera

Ophrys apifera kommt in basenreichen Trockenrasen und Magerrasen, auch in lichten Laub- und Nadelwäldern und bevorzugt nicht allzu trockene Standorte.  Klimatisch begünstigte Gebiete in Europa, Nordafrika, Vorderasien, Kaukasien. In Deutschland befinden sich die meisten Standorte in Baden-Württemberg, Thüringen, Südniedersachsen und Saarland, darüber hinaus ist die Art selten bis sehr selten. Die Anzahl blühender Pflanzen schwankt von Jahr zu Jahr beträchtlich. Je trockener der Winter und Frühling, desto geringer die Anzahl. Im Jahrhundertsommer 2003 war die Zahl sehr gering. Nur an leicht beschatteten oder etwas feuchteren Standorten konnte man mehrere blühende Pflanzen beobachten. Auch wurde die Anzahl der Pflanzen in einigen Regionen stark dezimiert; im Herbst trieben deutlich weniger Blattrosetten aus als im Herbst zuvor.

Ophrys apifera

Die Pflanzen sind mitunter nicht sehr langlebig. Oft blühen sie nur wenige Male und verschwinden dann wieder oder sie benötigen wieder einige Jahre bis zur nächsten Blüte. Grund dafür dürfte die Selbstbestäubung sein. Der Aufwand an Energie für die Samenproduktion schwächt die Pflanzen.

Seit Anfang der 1990er Jahre wird verstärkt die Besiedelung neuer Standorte beobachtet, an denen sie noch nie zuvor gesehen wurde. An geeigneten Standorten kann die Anzahl der Pflanzen in nur wenigen Jahren stark ansteigen. Vom Samen bis zur blühfähigen Pflanze dauert es nur drei bis vier Jahre.

 

0