Stefanie Weigelmeier
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Heute habe ich Bernhard Schirutschke beim ökologischen Mähen begleitet. Ökologisch Mähen – das ist nicht nur der Name seiner Homepage, das ist ganz unprätentiös das, was er – mit voller Überzeugung – tut!

Die Balkenmähtechnik, die er einsetzt, ist nachgewiesener Maßen Fauna-schonend (z.B. van de Poel, D. und Zehm, A. (2014) Die Wirkung des Mähens auf die Fauna der Wiesen – Eine Literaturauswertung für den Naturschutz, ANLiegen Natur 36(2).
Insbesondere die Insektenfauna wird durch Rotationstechniken mit oder ohne Mähgutzerkleinerung – sprich: das Mulchen – mit zerkleinert. Die besonders schnellen Fluginsekten können vielleicht noch entkommen, aber alle langsameren, flugunfähigen, kriechenden oder zum Zeitpunkt verpuppten Insekten können dies nicht. Beeinflusst werden hier alle Straten der Wiese: von der Blüten- und Halmschicht mit Blütenbesuchern und Phytophagen bis hinunter zu den bodennahen Schichten mit Bodenbrütern, Amphibien und Reptilien und den vielen Anderen.

Ein Siloballen ist meist leider genau das: ein Massengrab.

Mit dem Balkenmäher wird kein Baum verletzt! (c) S. Weigelmeier

Ein paar Eindrücke von heute:

Gekonnt zirkelt Bernhard den 3m-breiten Balkenmäher um die Stämme der Streuobstwiese. Nur mit Muskelkraft und Gewichtsverlagerung, dies macht einen geschmeidigen Eindruck, erfordert auf dem unebenen Terrain aber doch Können und Feingefühl. Dadurch kommt weder ein Stamm zu Schaden (Stichwort: Mähschäden), noch müssen die Bäume aufgeastet werden, Bernhard duckt sich einfach unter den tiefer hängenden Ästen durch.

Die Fläche ist lang und nur zwei Baumreihen breit. Tuckernd entfernt sich Bernhard auf dem Balkenmäher. Und plötzlich höre ich es – es zirpt. Sie zirpen! Sie hüpfen, flattern, fliegen oder verharren ruhig. Ein Weibchen des Großen Grünen Heupferds schwirrt mir auf den Oberarm. Als ich niederknie, entdecke ich an den unteren Halmabschnitten, die stehen geblieben sind das noch intakte Netz einer Zebraspinne (Argiope bruennichi) mit der Erbauerin, so als wäre nichts gewesen. Wow, da ist gerade ein Balkenmäher drüber gerattert!

Nach dem Mulchen herrscht auf einer Fläche meist nur eins: Totenstille. Durch den Balkenmäher „fallen“ Halme und Kräuter jedoch „einfach nur um und alles flattert vor mir davon“, so beschreibt Bernhard was er sieht und ich verstehe, dass ihn das zutiefst beglückt.

Die reine Technik ist natürlich nicht der Wahrheit letzter Schluß. Zum ökologisch verantwortungsvollen Grünlandmanagement gehört auch ein ganzheitliches Pflegekonzept: alternierender Mähzyklus, 1-2-schürige Mahd je nach Fläche, kleinteiligere Flächenbearbeitung, Mähen von Innen nach Außen und – ganz wichtig sind Altgrasstreifen und Staudenbestände, die über den Winter stehen bleiben dürfen, Pflanzenstängel sind ein Überwinterungsort für viele Insektenlarven und auch Rebhuhn und Co sind in der Vegetations-armen Zeit auf Deckung angewiesen.

 

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