Nach dem Exkurs in die Welt der Glockenblumengewächse wenden wir uns mit dem heutigen Artenportrait einer Pflanzenart zu, welche aktuell zu entdecken ist. Überall tauchen auf schneefreien Stellen die ersten gelben Farbtupfer entlang von Wegrändern und in Wäldern auf. Eranthis hyemalis (Winterling) ist eine der ersten blühenden Pflanzen im Jahr und zieht derzeit alle Blicke auf sich. Der Gattungsname Eranthis kommt aus dem griechischen und setzt sich aus den Begriffen er für Frühling und anthos für Blüte zusammen. Das Artepitheton hymealis ist lateinischen Ursprungs, bedeutet winterlich und bezieht sich, ebenso wie die Gattungsbezeichnung, auf die frühe Blütezeit.

Eranthis hyemalis

E. hyemalis wächst als ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 5 bis 20 Zentimetern. Als Speicher- und Überdauerungsorgan dient eine in der Erde liegende Sprossknolle, die aus dem Hypokotyl gebildet wird. Hinsichtlich seiner Lebensform zählt er daher zu den Geophyten und trägt maßgeblich zum Frühblüheraspekt in der Landschaft bei. Die Blütezeit reicht im Vorfrühling von Februar bis März. Die radiärsymmetrischen und zwittrigen Blüten stehen einzeln am Ende eines dicken Stängels. Dicht unter jeder Blüte befindet sich eine Hülle aus drei quirlartig sitzenden, geschlitzten Hochblättern, die auch als Involucrum bezeichnet wird. Funktionell entsprechen sie dem nicht vorhandenen Kelch und übernehmen somit dessen Schutzfunktion für die sich entwickelnde Blüte. Wie bei allen Frühjahrsgeophyten ziehen die oberirdischen Pflanzenteile zum Sommer hin ein. Die Pflanze überdauert bis zum Neuaustrieb im kommenden Jahr mittels der im Boden liegenden Knolle, in der die Nährstoffe hierfür gespeichert werden. Die ursprüngliche Heimat des Winterlings reicht von Südostfrankreich über Italien und Ungarn bis nach Bulgarien und in die Türkei, wo der Winterling vor allem in feuchten Laubwäldern und in Gebüschen und Weinbergen wächst.

Eranthis hyemalis

In Mitteleuropa kommt er örtlich in Weinbergen oder in lichten Gebüschen verwildert vor, beispielsweise in Thüringen bei Jena, mehrfach in Baden-Württemberg und im Schweizer Jura bei Solothurn. Sonst ist er gelegentlich unbeständig aus der Kultur ausgebrochen und wächst so in Mitteldeutschland vom Rheinland bis nach Sachsen, wobei dann meist nur in der Nähe von Gartenanlagen wenige Pflanzen zu finden sind. Der Winterling gedeiht am besten auf nährstoffreichen, lockeren Lehmböden und eher im Halbschatten als im vollen Licht.

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