Stefanie Weigelmeier
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von Stefanie Weigelmeier. –

Vögel können mit dem Schnabel oder den Krallen Futter nur zerteilen. Im Magen wird das Fleisch durch hochkonzentrierte Verdauungssäfte zersetzt. Die unverdaulichen Nahrungsrückstände wie Federn, Haare, Chitin, Stacheln, Fischgräten oder -schuppen aber auch Knochen werden in sog. Gewöllen als Speiballen wieder herausgewürgt.

Finden sich z.B. unter einem Baum mehrere dieser Gebilde, so liegt die Vermutung nahe, dass dieser Baum ein Tagschlafplatz oder gar ein Nistplatz nachtaktiver Eulen sein könnte. In Bezug auf Baumpflege oder -kontrolle ist dies ein eindeutiges Zeichen auf die Belange des Artenschutzes. Im Bezug auf die auszuführenden Maßnahmen sollte hier nochmal inne gehalten werden um keinen Verstoß gegen das BNatSchG zu produzieren.

Welche Vögel hinterlassen Gewölle?

Alle Greifvögel und Eulen verschlucken ihre Beute meist im Ganzen oder in größeren Teilen und produzieren nach der Verdauung Gewölle. Aber auch Störche, Kormorane, Reiher, Ziegenmelker, Eisvögel, Wasseramseln und Würger, sowie Möwen und Seeschwalben hinterlassen solche Speiballen.

Ein Gewölle hat eine äußere Schicht aus Haaren oder Federn, welche die spitzen Bestandteile, also Knochen oder Federkiele (aber auch Muschelreste, Schneckenhäuser, Krebspanzer,… je nach Diät und Lebensraum) einhüllen. Bei einem frischen Gewölle fühlt sich die äußere Hülle noch feucht bis schmierig kompakt an: Verdauungssekrete und Speichel sorgen dafür, dass es schön „flutscht“.
Mit einem Speiballen ist jedoch noch nicht das ökologische Ende erreicht. Motten- und Käferlarven fressen auch diese Reste, der Kohlenstoff geht in eine weitere Runde.

Speiballen an sich lassen mit entsprechender Erfahrung auch Rückschlüsse auf den Produzenten zu, sprich, sie können auch auf dieser Ebene dem Artnachweis dienlich sein.

Waldohreulen bilden im Winter Gruppen und treffen sich an Wintersammelplätze. Diese liegen dann gerne auch mal im Siedlungsbereich und werden über Jahrzehnte genutzt. (Wenn der Baum so lange stehen bleiben „darf“….)

Gewölle – Nahrung – Artenvielfalt?

Ein Gewölle ist eine eindeutige Spur und wie ein Trittsiegel, die Hinterlassenschaft eines Tieres, die uns seine Präsenz verraten kann.

Zusätzlich geben Gewölle aber auch Aufschluss darüber, von was sich die Tiere ernährt haben (Nahrungsökologie) und damit auch darüber, welche (Beute-)Tierarten sich im Umgriff befinden.

So konnten Dragan Chobanov und Boyan Milchev in einer Studie veröffentlicht im Jahr 2020 von dem erfolgreichen Nachweis dreier seltener Orthopteren im Südosten Bulgariens berichten: Pholidoptera brevipes Ramme, 1939; Saga natoliae Serville, 1838 und Bradyporus macrogaster (Lefebvre, 1831).
Diese drei seltenen Heuschreckenarten konnten in den Untersuchungsgebieten nur über Uhu-Gewölle nachgewiesen werden, fügten dem Artinventar der Gebiete aber dennoch wertvolle Nachweise hinzu und damit der Schutzwürdigkeit auf dem Weg zum NATURA-2000-Gebiet.

Quelle: Chobanov, D. & B. Milchev (2020) Orthopterans (Insecta: Orthoptera) of conservation value in the Eurasian Eagle Owl Bubo bubo food in Bulgaria.

 

Gewölle einer Waldohreule Asio otus) © BastienM/wikicommons

Bildbestimmungsschlüssel für Kleinsäugerschädel aus Gewöllen

Ja nach Nahrungsverfügbarkeit wird die Zusammensetzung von Speiballen unterschiedliche ausfallen. Bei uns werden sich hauptsächlich Knochen von Kleinsäugern oder auch Amphibien finden lassen. Über Gewölleanalysen lassen sich unmittelbare Rückschlüsse auf Vorkommen und Verbreitung von Kleinsäugern in einem Gebiet machen. Der Bestimmungsschlüssel für Kleinsäugerschädel aus Gewöllen von Joachim Jenrich, Paul-Walter Löhr, Franz Müller und Henning Vierhaus hilft bei der Bestimmung mit detaillierten Zeichnungen.
Dem Bestimmungsteil vorangestellt sind Erläuterungen zur Herangehensweise und der zu treffenden Vorsichtsmaßnahmen.
Der Bestimmungsteil behandelt Nagetiere (Wühlmäuse, Echte Mäuse und Schläfer), Spitzmäuse, drei Fledermausarten, Mauswiesel, Maulwurf und Igel. Die anatomischen Zeichnungen sind brillant und weisen auf die entscheidenden Strukturen hin. Die Zeichnungen sind verständlich erklärt, ein gewisses anatomisches Grundverständnis schadet jedoch nicht. Ein umfangreiches Literaturverzeichnis rundet dieses wissenschaftliche Grundlagen-Büchlein ab.

 

Das Büchlein ist beim Quelle&Meyer-Verlag erschienen (ISBN 978-3-494-01727-3; 48 Seiten) und für 8.95€ erhältlich, am besten im örtlichen Buchhandel!