Stefanie Weigelmeier
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[Baum-Management] Was kann ein Baumkataster?

Im ersten Artikel in der Rubrik habe ich die positiven Aspekte eines Baumbestandes erläutert und wie wir Bäume mit einem angepassten Baum-Management gesund und langfristig (er-)halten können. Dabei ist es wichtig zu verstehen und in Baumkontrolle und -pflege zu beherzigen, dass Artenschutz und Verkehrssicherheit gut zusammen gehen können.

Zwischenzeitlich habe ich ein Buch vorgestellt, welches den Aspekt des Wurzelraums umfassend behandelt und einen leichten Einstieg in die Thematik bietet.

Doch all die Informationen, die uns ein Baum geben kann, wollen gesammelt, ausgewertet, aufbereitet und in einer passenden Maßnahme umgesetzt werden. Und hier kommt das Baumkataster ins Spiel!

Was ist ein Baumkataster?

Ein Kataster ist im Allgemeinen ein Register, also eine Liste von Dingen oder Informationen mit einem Raumbezug. Der Raumbezug beim Baumkataster ist der Baum, bzw. sein Standort.
Die Einrichtung eines Baumkatasters ist zunächst etwas aufwändig, da jeder Baum verortet, eingemessen und dokumentiert werden will. Daraus ergibt sich eine Grunddatenerhebung, auf die mit jeder Kontrolle aufgebaut wird.

Wer braucht ein Baumkataster?

Sinnvoll ist ein Baumkataster bei jedem größeren Baumbestand. Was heißt aber nun hier „größer“?
Ich würde sagen, das ist Geschmackssache. Ich habe schon mal ein Kataster für einen Privatgarten erstellt, ein dendrologisches Kleinod mit 12 Bäumen und Bäumchen. Das dient nun eher der Passion der Besitzerin.
Klassische Einsatzorte für ein Baumkataster sind: Parks, öffentliche Grünanlagen, Bäume im Straßenraum, Wohnkomplexe, Gewerbegebiete, botanische Gärten, Straßenbegleitgrün, ….

Was kann ein Baumkataster?

Ein Baumkataster unterstützt das Baum-Management bei vielen Aspekten.
Es dokumentiert die Ergebnisse der Baumkontrolle und liefert eine Auflistung der durchzuführenden Maßnahmen. Damit unterstützt es die BaumeigentümerInnen bei der Gewährleistung der Verkehrssicherheit.
Baum-bezogen wird die Entwicklung dokumentiert. So können Veränderungen, die bei Bäumen oft nur langsam von statten gehen besser gesehen, in Kontext gesetzt und entsprechend darauf reagiert werden.

Grundvoraussetzung: regelmäßige Kontrolle und gewissenhafte, fachgerechte Dokumentation.

Wie kann ein Baumkataster geführt werden?

Im Grunde genommen kann ein Baumkataster auf einem Blatt Papier geführt werden. Da die EDV vieles vereinfacht, rate ich meist zu einem digitalen Baumkataster. Das kann nun in einem Programm für Tabellenkalkulation passieren oder auch in einer spezielleren Software. Dies ist hier nicht zuletzt eine Frage des Preises.
Ich persönlich berate hier nie zu einem bestimmten Software-Produkt, sondern schaue mir den Baumbestand, die Infrastruktur der Eigentümer sowie letztendlich die Menschen an, die das Kataster letztendlich pflegen sollen. Daraus ergibt sich dann eine passende Lösung.
Passen muss es, das ist wichtig, denn ansonsten wird das Kataster nicht gepflegt und Aufwand/Kosten/Nerven waren umsonst.
Die meisten Kataster ähneln sich im Kern und orientieren sich dabei im besten Falle an den ZTV-Empfehlungen, allerdings gibt es auch große Unterschiede, die oft erst in der Handhabung auffallen. Wurde dann eine Software für teures Geld angeschafft und eingerichtet ist der Unmut bitter. Dies lässt sich durch eine gute Beratung und Evaluation vorab vermeiden.

Nicht zu unterschätzen ist u.a. folgender Punkt: das Baumkataster soll u.a. dazu dienen, einen verkehrssicheren Baumbestand zu erhalten. Dies ergibt sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) § 823 Abs. 1. Gleichfalls müssen aber auch Belange des Artenschutzes berücksichtigt werden (Bundesnaturschutzgesetz BNatSchG). Die Normen (Gesetze) sind gleichwertig und müssen daher auch so behandelt werden.
Ein Baumkataster, welches also z. B. den Artenschutz nicht berücksichtigt ist nicht nur unvollständig, sondern bringt den Eigentümer (die sich ja eigentlich rechtskonform verhalten möchten), unter Umständen Probleme, die vermeidbar gewesen wären.

Hier geht es weiter in der nächsten Folge….

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