Stefanie Weigelmeier

von Stefanie Weigelmeier. –

Vor kurzem habe ich hier die Stadtpflanze des Jahres 2022 vorgestellt: Paulownia tomentosa ist wie der Götterbaum (Ailanthus altissima) als Zierpflanze zu uns gekommen. Gekommen um zu bleiben, kann man heute angesichts des Ausbreitungspotentials sagen.
Beide Baumarten sind längst zum Symbol der globalen Stadtflora geworden.

Götterbaum an Ginkgo in Nürnberg (c) Stefanie Weigelmeier

Städte beherbergen eine hohe Vielfalt an heimischen, kultivierten und verwilderten Pflanzenarten.
Die Stadtvegetation ist das Sujet, das es Jonas Frei für sein neues Buch angetan hat. Dazu war er hauptsächlich in Zürich und Basel, aber auch in vielen mitteleuropäischen Großstädten zwischen Paris und Budapest unterwegs.
Die Stadt hält viele Standorte bereit: Pflasterfugen und Mauern, Bahndämme, Gleisanlagen, Baubrachen, verwilderte Beete und Randstreifen jeglicher Art bieten unterschiedliche Wuchsstätten für teils spezialisierte Pflanzenarten. In diesem Buch fanden nicht die besonders häufigen heimischen Arten Einzug, sondern Besonderheiten des urbanen Lebensraumes, die teilweise noch keinen Einzug in die gängigen Florenwerke Mitteleuropas gefunden haben.
Die Pflanzenarten werden mit Photos, Herbarbelegen und Zeichnungen portraitiert und textlich erläutert.

Jonas Frei ist Landschaftsarchitekt und Stadtökologe aus Zürich. Seine Fachbereiche sind die Gestaltung von Freiräumen, Botanik, Fotografie, Dokumentarfilm und Illustration. Über das Buch, das er der Walnuss gewidmet hat, wurde an dieser Stelle schon geschrieben.
Ein Blick in sein atelier foifacht lohnt.

Jonas Frei – Stadtwildpflanzen. (c) Screenshot aus dem lookinside des AT-VErlages.

Frei hat das Buch in 52 Kapitel unterteilt. Es ist kein Zufall, dass wir auch 52 Wochen im Jahr haben. Inhaltlich orientieren sich die Themen am Jahresverlauf, das Buch kann so ein guter Begleiter über das Jahr sein, aber natürlich auch quer oder in einem Rutsch gelesen werden.
Ich schreibe diesen Text in der KW 8, da geht es beispielsweise um die Nieswurzen (Helleborus), die Frühblüher sind beliebte Futterpflanze bei den früh im Jahr ausfliegenden und noch staatenlosen Hummel-Königinnen.
Den Wochenkapiteln vorgeschaltet sind über 60 wertvolle Seiten einleitende Einblicke in die Stadtflora allgemein und mit besonderem Augenmerk auf eine historische Einordnung des Themas in der botanischen Literatur und der bildenden Kunst.

Jonas Frei – Stadtwildpflanzen.

Das Buch gefällt auch optisch wie haptisch: es ist wertig gebunden und liegt vom Format her gut in der Hand. Es lässt sich gut aufklappen. Das Vorsatzblatt zieren Pflanzen-Skizzen des Autors. Ebenso stammen auch alle anderen der knapp 400 Photographien und Illustrationen von ihm selbst. Typographie und Layout bringen den Inhalt perfekt zur Geltung – das Buch ist mir ein optisches Honigschlecken. Ein Lesebändchen komplettiert das Erscheinungsbild.

Ich betrachte das Buch als ein Gesamtkunstwerk, dem ich eine große Reichweite wünsche.

Einen Videoschnippsel über das Buch gibt es auch:

Stadtwildpflanzen. Von Jonas Frei. Gebunden, 14,8 x 231 cm, 352 Seiten, 391 farbige Abbildungen, AT-Verlag, Aarau und München 2022, Preis 28 €, ISBN: 978-3-03902-133-8.

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