Stefanie Weigelmeier
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von Stefanie Weigelmeier. –

Dieser Film ist ein Vermächtnis. Das Vermächtnis eines Mannes, der nicht genannt werden möchte, dem eine Krebsdiagnose die Endlichkeit seines Lebens vor Augen gestellt hat und der sein Erbe als einen Film hinterlassen wissen möchte. Einen Film, der zeigt, wie wir Menschen mit der Natur und unserer Mitwelt umgehen. Einen Film, der also auch unser Vermächtnis, das eines*r jeden einzelnen von uns.

Was bleibt von uns?

Der Tierfilmer Jens Klingebiel fragt im Namen seines Auftraggebers, welche Spuren wir nach dem Tod hinterlassen.
Er beginnt damit bei den Kegelrobben (Halichoreus grypus) auf Helgoland. Die Kegelrobbe ist das größte auf deutschem Boden lebende Raubtier und hat einen dem entsprechend Nahrungsbedarf (ein erwachsenes Tier frisst etwa 6kg an Fisch und Krebstieren pro Tag). Dies hat dazu geführt, dass wir Menschen sie als Nahrungskonkurrenten angesehen und bejagt haben. Die zunehmende Verschmutzung der Meere, Vergiftungen über die Nahrungskette und die Nahrungsknappheit durch übermäßigen Fischfang tat ihr übriges, so dass die Art in den 1970er Jahren in Deutschland als ausgestorben galt. Wiederum durch große Anstrengungen durch uns Menschen gelang es (uns), die Lebensbedingungen so zu verändern, dass sich dort wieder Kegelrobben ansiedelten. Heute gilt die Ostsee als Hauptverbreitungsgebiet der Tierart mit etwa 30.000 Tieren. Auf Helgoland sind die Kegelrobben Magnet für Touristen und TierphotographInnen gleichermaßen. An der Ostsee jedoch wird es mancherorts mit Argwohn betrachtet, dass sich die Bestände erholen. [1]
In unserer Mensch-zentrierten Sichtweise beschweren wir uns, dass adulte Kegelrobben Fische aus Stellnetzen „rauben“, die Netze dabei manchmal kaputt gehen und beklagen gleichzeitig, wenn sich die niedlichen jungen Kegelrobben in denselben Netzen verheddern und sterben.

 

Rentiere werden oft zu Verkehrsopfern in Schweden. © Jens Klingebiel

schützen – lenken – dezimieren

Diese Ambivalenz zieht sich durch den ganzen Film. Jens Klingebiel dokumentiert im Wortsinne an verschiedenen Stationen, wie wir Menschen unsere Mitwelt durch unser Tun beeinflussen: zerstören, retten, eindämmen, verschmutzen, renaturieren, aufwerten, gering schätzen, unter Schutz stellen, ausbeuten, ….

Die Musik hält sich bei dieser Dokumentation im Hintergrund und unterstreicht nur sanft ohne sich aufzudrängen oder emotional dick aufzutragen. Muss sie auch gar nicht, die Botschaft, welche die Bilder vermitteln, ist unmissverständlich und deutlich genug.
Auch sind die Fragen, die Jens Klingebiel im Namen seines Auftraggebers stellt, nicht neu. Lediglich müssen sie beantwortet werden. Von jedem und jeder Einzelnen.

 

Der Film endet wieder auf Helgoland. Diesmal bei den Basstölpeln (Morus bassanus), den fotogenen Stars der Helgoland-Fauna. „Das Vermächtnis“ ist jedoch kein Film der ein Happy-End verspricht – seht selbst. © Jens Klingebiel

 

 

Ein Film als Allgemeingut

„Das Vermächtnis“ ist berührend und kann auch die Menschen erreichen, die normalerweise keine Naturfilme ansehen.  Damit dies geschieht können wir alle dazu beitragen: Der Film steht auf der Seite in full HD, 4K, auf Deutsch, Englisch, mit englischen Untertiteln und auf Tschechisch zum freien Download. Der Film soll ausdrücklich geteilt oder vorgeführt werden!

 

 

© Jens Klingebiel