Manchen Arten setze ich schon seit Ewigkeiten nach und wenn ich sie dann erwische, ein Foto schießen  und sie „abhaken“ kann, freue ich mich und genieße den Augenblick. Eine solche Art ist Orchis morio (Kleines Knabenkraut). Obwohl unzählige Individuen direkt vor meiner Haustür zu bewundern sind, habe ich es erst heute geschafft, diese wunderschöne Orchidee endlich einmal in voller Blüte zu sehen. Vom Trockenrasen direkt in das Blog, so schnell hat es bisher noch keine Art geschafft.

Orchis morio zählt zu den ausdauernden, krautigen Pflanzen und kann Wuchshöhen von 8 bis 50 Zentimetern erreichen. Die meist in einer grundständigen Rosette stehenden Laubblätter sind lanzettlich, meist spitz, gelegentlich auch mit abgerundeter Spitze, 3 bis 10 Zentimeter lang und etwa 1 bis 2 Zentimeter breit. Der Stängel ist kräftig, etwas kantig und nach oben hin violett überlaufen. Der Blütenstand von Orchis morio ist meist reichblütig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Blütenfarben sind überwiegend purpurrot, können aber auch nahezu weiß sein. Das mittlere Kelchblatt und die Kronblätter bilden einen Helm. Die seitlichen Kelchblätter besitzen ein auffälliges, grünes Linienmuster und stehen etwas ab. Die Lippe ist bis 10 Millimeter lang und 16 Millimeter breit, schwach bis mäßig dreilappig. Die Seitenlappen sind flach ausgebreitet oder nach hinten geschlagen. Die Lippenbasis ist heller mit dunkleren Punkten oder Strichmuster. Der zylindrische Sporn ist aufwärts gebogen und kürzer als der Fruchtknoten.

Orchis morio

Das Kleine Knabenkraut gedeiht am besten auf stickstoffarmen, schwach sauren oder leicht basischen Wiesenboden, der nicht dauernd trocken sein sollte. Es kommt auf Magerrasen, mitunter auch auf Trockenrasen, mäßig feuchten Wiesen, trockeneren Bereichen von Feuchtwiese und lichten Wäldern vor. Es braucht ungedüngte Standorte. Es besiedelt in Mitteleuropa Halbtrockenrasen und einschürige Trockenwiesen ebenso wie einschürige, kurzrasige feuchte Wiesen. An seinen Standorten tritt es zuweilen in größeren, mäßig dichten, individuenreichen Beständen auf. In der Nordhälfte Deutschlands hat das Kleine Knabenkraut nur noch sehr wenige Standorte. In der Nordhälfte Deutschlands sind weit mehr Vorkommen erloschen als in Süddeutschland. Durch Düngung wurden viele Standorte in Fettwiesen umgewandelt und daher vernichtet.

Orchis morio