Der Natur sei Dank haben erstreckt sich die Blühphase einiger Pflanzen bis in den Hoch- und Spätsommer hinein. Nicht auszudenken, wenn alle Pflanzen ihr Pulver bereits verschossen hätten und bspw. Bestäuber nun das Nachsehen hätten. Eine dieser „Spätzünder“ zeigt sich in diesen Tagen u.a. entlang von Wegrändern und Gebüschen. Das Echte Leinkraut (Linaria vulgaris) fällt durch seine milchiggelben Blüten auf und ist auch sonst ein echter Hingucker.

Die Blüten von Linaria vulgaris sind für Bestäuber mit langen Rüsseln gemacht…

Das Echte Leinkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 20 bis 40, selten bis zu 80 Zentimetern. Die im Querschnitt runden, aufrechten, unverzweigt oder am Grunde oder im Blütenstandsbereich etwas verzweigten Stängel sind kahl oder oben schwach drüsig behaart. Obwohl man dieses Bestimmungsmerkmal mit bloßem Auge sehen kann, empfiehlt es sich stets eine Lupe bei der Hand zu haben.

…wie der lange Sporn der Blüte zeigt. Manche Insekten finden aber auch andere Lösungen um an den Nektar zu kommen. So Erdhummeln begehen „Blüteneinbruch“ durch Aufbeißen des Sporns.

Auffällig sind die 5 bis 30 Blüten, welch ein einem mitunter einseitswendigen, traubigen Blütenstand stehen. Die Blütenkrone ist gelb, hell-schwefelgelb, mit kräftig gelbem Unterlippenwulst und einem orangegelben Fleck auf der Unterlippe.

Linaria vulgaris (Echtes Leinkraut).

Linaria vulgaris verfügt trotz ihres unscheinaben Aussehens über eine raffinierte Ökologie. Hier sollte man sich nicht vom ersten Anblick täuschen lassen. Das Echte Leinkraut gehört zu den „Maskenblumen“, das bedeutet, der Blüten-Nektar befindet sich am Boden einer Blütenröhre (Kronröhre), die waagerecht oder schräg läuft.

Linaria vulgaris mit bereits vetrockneten Blüten.

Diese Blütenröhre ist lang und eng, weshalb für die Pflanze nur Bestäuber-Insekten mit langem Rüssel geeignet sind. Des Weiteren bei Maskenblumen die Unterlippe der Blüte über die Oberlippe gestülpt und dadurch mechanisch verschlossen und muss von den Blütenbesuchern geöffnet werden. Die Früchte sind als Porenkapseln Wind- und Tierstreuer. Die flachen, hautrandigen Samen breiten sich als Segelflieger und Wasserhafter aus, aber auch Ameisenausbreitung findet statt. Es erfolgt eine reiche Samenproduktion von bis zu 32.000 Samen pro Pflanze.

Die „Lippe“ an der Blüte von Linaria vulgaris muss durch viel Kraftaufwand geöffnet werden um an den Nektar zu kommen. Daher heißt die Blüte auch „Kraftblume“ und ist nur etwas für größere Inseken.

Das Echte Leinkraut ist in Mitteleuropa ein sogenannter Kulturfolger, da die ursprünglich in der Küstenvegetation heimische Art auf anthropogene Standorte wechselte, als in Mitteleuropa vor etwa 7.000 Jahren Wälder durch Menschen gerodet wurden, um Platz für Äcker zu schaffen. Das Echte Leinkraut ist häufig an warmen Böschungen zu finden. Es handelt sich bei dieser Art um eine typische Schuttpflanze, sie liebt lockeren, steinigen und sandigen Boden.

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