Immer wieder bin ich für das Blog auf der Suche nach interessanten Projekten, die sich mit Nachhaltigkeit, Naturschutz und ressourcenschonender Landwirtschaft befassen. Umso besser, wenn diese Vorhaben alle genannten Punkte vereinen und obendrein auch noch aus der Region Sachsen-Anhalt kommen.

So verhält es sich bei dem neugestarteten Projekt „´Nen Euro für die Vielfalt“, welches von Familie Stallbaum (Betreiber des Stendaler Scheunenladens) initiiert wurde und für das die hiesige Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie, Dr. Claudia Dalbert die Schirmherrschaft übernommen hat.

Mit dem Projekt „´Nen Euro für die Vielfalt“ wird das Ziel verfolgt, die Ansprüche an die moderne Landwirtschaft sowie der Landwirtschaft mit ihren, durch die globalisierten Märkte hervorgerufenen Zwänge zu verbinden und Brücken zu schlagen, damit die immer tiefer werdenden Gräben in der Gesellschaft überwunden werden können. Denn eines ist wohl klar, der Verbraucher entscheidet letzten Endes mit seinem Kaufverhalten, welche Art von Landwirtschaft er erhalten möchte.

Mit Carola und André Stallbaum stehen Personen hinter dem Projekt, die felsenfest in der Materie stecken und durchaus wissen, von was sie reden und was auf sie drauf zukommt. Das Ehepaar betreibt seit nunmehr 25 Jahren am nördlichen Stadtrand von Stendal einen Betrieb mit Acker-, Obst- und Gemüsebau nebst angeschlossener Direktvermarktung über den eigenen Hofladen auf dem Betriebsgelände. Der Hofladen erfreut sich einer regen Beliebtheit und wird täglich von mehreren Hundert Besuchern. Neben dem Einkauf von regionalen Lebensmitteln, nutzen viele Besucherinnen und Besucher auch die Chance, hinter die Kulissen eines modernen Landwirtschaftsbetriebs zu schauen.  An dieser Stelle wird einmal mehr deutlich, welche wichtiger Akzeptanzfaktor Transparenz ist.

Familie Stallbaum möchte mehr Artenvielfalt in die Landschaft bringen. Dazu hat sie das Projekt „‚Nen Euro für die Vielfalt “ ins Leben gerufen (Bildautor: Heiko Janowski, Stendal Magazin).

Familie Stallbaum nutzt diese Plattform schon seit jeher, um den Kunden und Interessierten die teils sehr komplexen Zusammenhänge in täglich mehreren kleine Gesprächen am Rande des Einkaufes zu erklären, die moderne Landwirtschaftsbetriebe in eine sehr rationalisierte Wirtschaftsweise zwängen – und dabei spielt es keine Rolle, ob diese konventionell, integriert oder ökologisch wirtschaften.

Um diesen Kanal zugunsten der Landwirtschaft noch weiter auszubauen und eine direkte Beteiligung eines jeden Einzelnen im Rahmen seiner Möglichkeiten zuzulassen, wurde das Projekt „´Nen Euro für die Vielfalt“ ins Leben gerufen. Damit hat jeder die Möglichkeit, aktiv ein Stück an der Gestaltung der Kulturlandschaft teilzuhaben und diese ein Stück bunter zu machen. Und das geschieht so:

An fünf Stellen in und bei Stendal wurden versiegelte Sammelboxen aufgestellt. Dort besteht für jeden Bürger die Möglichkeit, einen Betrag der Wahl einzuwerfen. Diese Boxen werden am Ende des Jahres 2019 im Beisein der Schirmherrin Frau Prof. Dr. Dalbert und eines Notars geöffnet.

Das so gesammelte Geld wird direkt einem überaus wichtigen und naturschutzfachlich notwendigen Zweck zugeführt. Mit jedem Euro aus den 5 Boxen werden dann 5m² Blühfläche zur Frühjahrsaussaat 2020 auf den Flächen von Familie Stallbaum direkt neben dem Hofladen finanziert– für jedermann jederzeit sichtbar. Dort wächst dann bis zum Herbst eine mit den Imkern und Naturschützern der Region abgestimmte Blühmischung anstelle von Mais, Weizen oder Roggen.

Auf die Frage, warum nicht mit den ohnehin schon vorhandenen staatlich geförderten Programmen gearbeitet wird, antworte André Stallbaum: „Ganz einfach – Unser Betrieb strebt nach einer Landwirtschaft, die unabhängig von staatlichen Subventionen existieren kann. Viele andere Betriebe würden auch gern auf die Flächenbeihilfe verzichten. In Anbetracht von einem hohen Niveau an hiesigen Auflagen und bürokratischem Aufwand, die die Produktion hierzulande im globalen Vergleich enorm verteuern ist dies jedoch aktuell noch nicht möglich. Mit diesem Projekt schaffen wir also einerseits die Möglichkeit, uns zumindest auf der so bestellten Fläche von eben jenen Subventionen unabhängig zu machen und das im Einklang mit gesellschaftlicher Beteiligung – besser geht es doch nicht, oder?“

Die Landwirtschaftsministerin Sachsen-Anhalts Claudia Dalbert übernimmt die Schirmherrschaft des Projektes (Bildautor: Heiko Janowski, Stendal Magazin).

Damit spricht er einen wahren Punkt an. Naturschutz und damit auch der Artenschutz hat keine eigene Einnahmequelle und lebt von der Willkür anderer Förderprogramme. Fast immer sind dies Geldmittel aus der Landwirtschaft. Diese Abhängigkeit verhindert langfristige Erfolge und sollte schleunigst beendet werden. Eine Möglichkeit wäre, Nachhaltigkeit als Betriebsziel zu definieren und zu honorieren. Wieso sollten Landwirte, die Biodiversität anbauen, nicht genauso belohnt werden wie Berufskollegen die herkömmliche Ackerfrüchte auf ihren Feldern wachsen lassen?

Fotomanie / Pixabay

Weiterhin wurde André Stallbaum gefragt, was man sich von dem Projekt verspreche – darauf Stallbaum: „Die Boxen sind nicht einsehbar – sozusagen Black Boxes. Man kann nur mal klappern und ahnen was aktuell drin ist. Was letzten Endes monetär in den Boxen landet, kann niemand voraussehen. In jedem Fall wird unser Versprechen, dass jeder Euro 5m² Blühfläche finanziert, eingehalten – da haben Sie unser Wort und ich lade Sie schon jetzt zum Aussaattermin im Frühjahr ein. Was jedoch viel wichtiger ist,
ist das Signal, was wir senden wollen: Jeder, der moderne Landwirtschaftsbetriebe für mangelnde Vielfalt oder Engagement für Umwelt- und Artenschutz kritisiert, kann hier mit geringem Aufwand aktiv seinen Beitrag leisten, um die Situation zu verändern. Je nach Erfolg des Projektes gibt es schon Ideen, dieses Konzept auf mehrere Betriebe weiter in die Fläche zu tragen.“

Ich für meinen Teil finde das Projekt sehr gut und drücke den Initiatoren die Daumen. Ebenso steht für mich fest, bei meinem nächsten Besuch in Stendal meinen Beitrag zum Gelingen des Vorhabens zu leisten und dem Projekt in seinem weiteren Verlauf über die Schulter zu schauen.

Wenn ihr euch an dem Vorhaben beteiligen und etwas zum Erblühen der Landschaft beitragen wollt, dann habt ihr an diesen Stellen Gelegenheit dazu:

  • Stendaler Scheunenladen, Osterburger Str. 63, 39576 Stendal
  • Stendaler Bauernmarkt, Bruchstraße, 39576 Stendal
  • Physiotherapie Andrea Werner, Feldstraße 4, 39606 Königsmark
  • Naturkosthandel Gerberhof, Hoock 10, 39576 Stendal
  • Friseursalon Hair Fashion A. Sühs, Hallstraße 12, 39576 Stendal

 

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