Das Insekten- und Artensterben in der freien Landschaft geht weiter. Seit dem Veröffentlichen der sogenannten Krefeld-Studie in 2017, benannt durch den Entomologischen Verein Krefeld, ist das Verschwinden von Insekten in den Fokus der Öffentlichkeit geraten und hält sich seitdem im öffentlichen Bewusstsein fest. Schon damals wurde als Hauptgrund für den dramatischen Rückgang der Insekten die moderne und intensive Landwirtschaft angeführt.

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Der Fairness halber muss gesagt werden, dass die Krefeld-Studie auch berechtigte Kritik erfahren hatte, weil die Flächen teils in unregelmäßigen Abständen untersucht worden sind. Ein Großteil der Schutzgebiete konzentrierte sich außerdem auf nur eine Region: Nordrhein-Westfalen, ein stark industrialisiertes Bundesland mit industrialisierter Landwirtschaft.

Diesen Umstand hat sich nun ein Team von Wissenschaftlern der TU München, unter Federführung von Sebastian Seibold, angenommen und die Ergebnisse veröffentlicht. So viel sei gesagt, seit 2009 sind etwa 30 % der Insekten und Spinnen aus den Wäldern und Wiesen verschwunden.

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Die Wissenschaftler beziehen dabei auf selbst erhobene Daten und hatten dafür ab dem Jahr 2009 untersucht, wie sich der Bestand an Insekten und Spinnen in drei Regionen Deutschlands verändert hat – auf Flächen in der Schwäbischen Alb, im Nationalpark Hainich und in der Schorfheide Chorin. Dabei nahmen sie nicht nur Schutzgebiete unter die Lupe, sondern auch Wälder und Wiesen, die entweder mäßig als Anbauflächen oder Weideland für Schafe und Rinder genutzt oder aber von Menschen intensiv bewirtschaftet werden – mitsamt regelmäßiger Düngung beispielsweise. Die Auswertung ergab insgesamt: Sowohl die Zahl der Insektenarten nahm massiv ab wie auch die Biomasse – allein auf den Wiesen um mehr als zwei Drittel.

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Am meisten überrascht war der Biologe, der selbst nicht an der Studie beteiligt war, allerdings vom Rückgang in den Wäldern. Dort schrumpfte die Biomasse um 41 Prozent. Der Wald galt im Gegensatz zu Ackerflächen und Wiesen bislang als eine Art Schutzraum für Insekten und Spinnen. Zumal Waldbesitzer und Forstwirte seit Längerem auf nachhaltige Bewirtschaftung setzen: Sie lockern Monokulturen auf und lassen Totholz öfters liegen. „Wir hatten eigentlich den Eindruck, dass die Probleme dort nicht so offensichtlich sind wie im Offenland“, sagt Hochkirch.

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Um sich von der Eingangs erwähnten Krefeld-Studie zu unterscheiden, sind die Wissenschaftler- und Wissenschaftlerinnen um Sebastian Seibold nicht nur wesentlich penibler vorgegangen, sondern haben ihre Untersuchung auch weiter gefasst: Auf etwa 300 Flächen haben sie über eine Million Insekten und Spinnen gesammelt, darunter 2.700 Arten. „Der Aufbau ist deutlich besser“, sagt Hochkirch. „Ein Vorteil ist auch, dass drei Gebiete untersucht wurden, die geographisch relativ weit auseinanderliegen und unterschiedliche Landschaften abbilden.“

Um allerdings den genauen Ursachen für den Insektenrückgang auf die Spur zu kommen, brauche es ein systematisches Monitoringprogramm, das sämtliche Lebensraumtypen abbildet und mithilfe staatlicher Finanzierung kontinuierlich läuft. Genau so etwas plant derzeit die Bundesregierung: Ab dem Jahr 2020 will sie zusammen mit den Bundesländern ein einheitliches Insektenmonitoring erproben und dann schrittweise umsetzen.

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