Naturschutz hat als solche keine gesicherte und eigene Möglichkeit der Finanzierung. Vielmehr ist er von der Gnade anderer Bereiche abhängig. Das meiste Geld für den Erhalt von Natur und Landschaft kommt aus der Landwirtschaft. Die sogenannte Gemeinsame Agrapolitik (GAP) der Europäischen Union ist aktuell die Hauptgeldquelle für den Naturschutz. DIese Förderungen erstrecken sich stets über einen festgelegten Zeitraum, die sogenannte Förderperiode. Ist diese Zeit vorbei, werden die Karten neu gemischt und die Verteilungskämpfe beginnen von erneut. Im Jahr 2020 ist es mal wieder soweit und die GAP wird überarbeitet, der Naturschutz steht samt seiner Finanzierung auf der Kippe und wie es in der neuen Fördeperiode (vermutlich ab 2023) weitergeht, steht in den Sternen.

Während manche Bundesländer es mit der Vogel Strauß Taktik versuchen, ist sich Thüringen der Situation bewusst und hat genau zu dem Thema eine Tagung in den Räumen der Fachhochschule  Erfurt veranstaltet. Genauer gesagt waren es das Kompetenzzentrum Natura 2000-Stationen sowie der BUND-Thüringen in Zusammenarbeit mit weiteren Akteuren. Themen waren u.a. die Rolle der Landwirtschaft bei dem anhaltenden Artensterben, so stehen aufgrund aktueller Entwicklungen ca. 1.000.000 Millionen Arten kurz vor dem Aussterben und eine naturverträgliche Landbewirtschaftung ist dringender notwendig als je zuvor. So konnte in einem Vortrag aufgezeigt werden, dass die Anzahl an naturnahen Habitaten deutlich mit der vorhandenen Artenantahl zusammenhängt und das die ausgeräumten Landschaften dieser Tage ein weiterer Sargnagel für die Artenvielfalt sind.

Insekten machen derzeit Einiges durch.

Der zugrundeliegende Gedanke lässt sich sogar noch weiter spinnen. Je ausgeräumter und leerer die Landschaften sind, desto weniger Pflanzen und damit Nahrungsquellen für Bestäuber gibt es. Ist ein bestimmter Punkt erreicht, konkurrieren die vorhandenen Insekten um die immer weniger werdenden Futterquellen. Deutlich wird dies bei der Artengruppe der Hummeln. Hier fangen kurzrüsselige Arten an, die Blüten der Pflanzen aufzubeißen und auf diese Weise an den Nektar zu gelangen, da sie auf herkömmliche Wege nicht an den süßen Pflanzensaft gelangen würden. Langrüsselige Hummelarten stehen dann vor einer leeren Blüten und haben das Nachsehen.

Ebenfalls wurde das Thema Pestizide angeschnitten und eine interessante Äüßerung zu Glyphosat getätigt. Laut einer Fallstudie greift dieses Gift die Insekten nicht direkt an, sondern schädigt vielmehr ihren Darmtrakt und macht die Tiere dadurch anfälliger für Krankheiten. Eine Denkrichtung, die ich weiter verfolgen werden.

Zu guter Letzt wurden noch die mehr oder weniger offensichtlichen Vorteile des Ökolandbaus gegenüber der konventionellen Landbewirtschaftung erwähnt und auf dessen entscheidende Rolle in Sachen Klimawandel, Gewässer- und Ressourcenschutz hingewiesen.

Warum erzähle ich das alles? In den Verhandlungen zu der kommenden GAP-Förderperiode werden auch Stimmen laut, den Naturschutz mehr und mehr zu beschneiden und der Landwirtschaft mehr Freiraum zu lassen. Die wenigen Gelder, welche dem Erhalt von Natur und Landschaft zur Verfügung stehen, sollen auch noch in den großen Topf der Landwirtschaft fließen. Dabei ist es an der Zeit, die Rolle des Naturschutzes zu stärken. Bisher wurden die EU-Prämien in Abhängigkeit zu Flächengröße des jeweiligen Betriebes gezahlt und machten damit die Hektarzahl zur Währung. Nun wäre es an der Zeit, dies zu überdenken. Dazu geistert das WOrt „Gemeinwohlprinzip“ durch die Branche. Dahinter verbirgt sich ein interessanter Denkansatz. Künftig sollen die Prämien anhand erreichter Punkte, welche eine Relevanz für das Gemeinwohl wiederspiegeln, ausgezahlt werden. Beispiel: Je mehr Feldlerchen auf dem Acker singen, desto mehr Punkte werden erreicht und dementsprechend fallen die Prämienzahlungen aus.

Da Naturschutz nur mit Hilfe der Landwirtschaft geht, müssen die Bauern von den dunkelgrünen Maßnahmen überzeugt werden und ihre Angst davor verlieren. Dies könnte gelingen, wenn die Naturschutzförderungen einkommensrelevant werden und nicht länger den Status eines Taschengeldes innehätten.

Die Fachhochschule in Erfurt war Tagungsort eine sehr gelungenen Veranstaltung.

Ich habe die Tagung mit einem zwiespältigen Eindruck verlassen. Einerseits wurden die einzelnen Themen sehr kontrovers und aus mehreren Blickwinkeln diskutiert. Die hochkarätigen Redner und Gäste fielen durch einen sehr angenehmen Umgang miteinander auf und erzeugten dadurch ein angenehmes Gespräch auf sehr hohem fachlichen Niveau. Andererseits fehlten mir die Lösungsvorschläge um die Zeit zwischen den Förderperioden zu überstehen. Immerhin dauert die Trockenzeit mindestens 3 Jahr. Zeit in der Existenzen auf dem Spiel, Naturschutzprojekte auf der Kippe und viele (ehrenamtliche) Akteure einer ungewissen Zukunft gegenüberstehen. Hier hätte ich mir mehr Offenheit gewünscht.

 

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